Althochdeutsches Wörterbuch

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
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04107 Leipzig

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Vaterunser (um 790), Abrogans-Handschrift der Stiftsbibliothek St. Gallen


Vom 16. bis 18. Februar 2020 richtet das Akademie-Projekt "Althochdeutsches Wörterbuch" die internationale Konferenz "Insular-kontinentale Wechselbeziehungen in der volkssprachigen Überlieferung des Frühmittelalters und ihre lexikographische Erschließung" an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig aus. Kooperationspartner ist das Projekt Dictionary of Old Englishdas vom Centre for Medieval Studies der University of Toronto herausgegeben wird. 

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Darstellung des Venantius Fortunatus
Darstellung des Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers im 6. Jh., wie er eine Heiligenvita in lateinischer Sprache mit Feder, Radiermesser und Tinte auf Pergament niederschreibt. Von ihm verfasste Werke wurden in Klosterschulen gelesen und glossiert, d. h. mit Worterklärungen in deutscher Sprache versehen. Poitiers, Bibliothèque municipale, ms 250 (136), fol. 21 v, 11.  Jh

Das „Althochdeutsche Wörterbuch“ hat zum Ziel, das gesamte erhaltene Wortgut des frühestbezeugten Deutschen aus allen Textsorten zu erfassen und zu erschließen. Es stützt sich dabei auf das von Elias von Steinmeyer (1848–1922) begründete und seither kontinuierlich aktualisierte Archiv mit etwa 750 000 Belegzetteln, in dem alle Wortformenbelege von den Anfängen deutscher Schriftlichkeit im 8. Jh. bis zu Spätbelegen des 13. bis 15. Jh. aus kritischen Editionen zusammengeführt sind. Die Belege stammen aus allen deutschen Mundarten, vom alemannisch-bairischen Süden über die verschiedenen Teile des Fränkischen bis hin zum Niederdeutsch-Altsächsischen. Einsprengsel in lateinischen Rechtstexten sind zurückgestellt. Das komplexe Wörterbuchkonzept mit der akribischen Arbeitsmethodik geht auf Elisabeth Karg-Gasterstädt (1886–1964) und Theodor Frings (1886–1968) zurück. Es strebt größte Bearbeitungstiefe und umfassende Aussagefähigkeit zu allen sprachhistorischen Fragestellungen an, um der historischen Lexikographie des Deutschen ein grundlegendes, langfristig dienliches Forschungsinstrument bereitzustellen. Die überlieferten Wortformen werden normalisierten Ansätzen zugeordnet und unter Einbeziehung der zugehörigen Kontexte lautlich, grammatisch, semantisch und syntaktisch beschrieben. Alle Belegstellen sind interpretiert und vollständig aufgelistet, wobei die Kontexte je nach Aussagefähigkeit oder Schwierigkeit in Auswahl zitiert sind, um die Gebrauchsweise(n) eines Wortes zu illustrieren und nachprüfbar zu machen. Durch systematische Bezugnahme auf Wörterbücher der anderen altgermanischen und der jüngeren deutschen Sprachstufen wird die Verbreitung und Entwicklung eines Wortes dokumentiert. Abgesehen von der Darstellung der einzelnen Stichwörter werden auch Wortschatzstrukturen sichtbar gemacht.

Neben den genannten Informationen gibt das „Althochdeutsche Wörterbuch“ auch Aufschlüsse über die Zeit der Karolinger, Ottonen und nachfolgender Herrschergeschlechter, als die deutsche Kultur und Sprache durch die Aneignung von Antike und Christentum und durch die enge Beziehung zum romanischen wie zum irisch-angelsächsischen Kulturkreis ihr besonderes Gepräge erhielten.

Das „Althochdeutsche Wörterbuch“ ist auf zehn Bände angelegt. Der aktuelle Publikationsstand ist hier verzeichnet. Die Bände I bis IV sind als Reprint erhältlich.

Flyer zur Benutzung des Althochdeutschen Wörterbuchs

Online-Version

Seit dem 31. März 2017 ist das „Althochdeutsche Wörterbuch“ online verfügbar. Die Onlineausgabe folgt den Lieferungen mit einem Abstand von jeweils drei Jahren. Sie ist (bis auf vereinzelte Buchstabenkorrekturen) druckidentisch und über die Band- und Spaltenzahl zitierbar.



Abkürzungsverzeichnisse 1968 bis 2009 (online seit April 2011):

Abkürzungsverzeichnisse

Literatur:

Ingeborg Köppe, Das Althochdeutsche Wörterbuch, in: Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Geschichte ausgewählter Arbeitsvorhaben. Im Auftrag der Akademie hrsg. v. Heinz Penzlin. S. Hirzel, Stuttgart/Leipzig 1999. (als PDF)
Ingeborg Köppe: Das Althochdeutsche Wörterbuch: Konzeption – Materialkorpus – Bedeutungswörterbuch und Kulturgeschichte.
Torsten Woitkowitz: Die Erstellung eines Substantivartikels am Beispiel des kulturgeschichtlich interessanten Wortes horn.
Brigitte Bulitta: Philologische Grundlagenforschung am Althochdeutschen Wörterbuch der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Rudolf Große: Bemerkungen anlässlich des Vortrages von Brigitte Bulitta »Philologische Grundlagenforschung am Althochdeutschen Wörterbuch«
Almut Mikeleitis-Winter: Wörter(buch) und Sachen. Alltagswortschatz im Althochdeutschen

Rezensionen zum Althochdeutschen Wörterbuch (Auswahl):

V. M. Žirmunskij (1956) = Voprosy Jazykoznanija 5, S. 145–148 (russisch)
Heinrich Wesche (1957) = Niederdeutsches Jahrbuch 80, S. 136–137
Edgar C. Polomé (1961) = Revue Belge de Philologie et d'Histoire 39, S. 615-616 (französisch)
Henri Draye (1961) = Erasmus 14, Sp. 276-278
Hans Schwarz (1962) = Bibliographische Handbuch zur Sprachinhaltsforschung 1,1501–1503 [dort die oben genannten u. weitere Rezensionshinweise]
Peter H. Salus (1964) = Germanic Review 39, S. 155–156 (englisch)
Ernst A. Ebbinghaus (1970) = General Linguistics 10, S. 5–11 (englisch)
Paul Valentin (2002) = Études germaniques 57, S. 745–749 (französisch)
Hans U. Schmid (2004) = Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, S. 506–513
Arend Quak (2011) = Amsterdamer Beiträge für ältere Germanistik 68,301 (zu Bd. 5,15)

 

Dieses Forschungsvorhaben ist Teil im Akademienprogramm, das als derzeit größtes geistes- und kulturwissenschaftliches Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland von Bund und Ländern getragen wird. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Logos Union SMWK

 

Projektgruppe

  1. Hans Ulrich Schmid, Prof. Dr. phil. habil. [Projektleiter, OM, Philologisch-historische Klasse]
  2. Brigitte Bulitta, Dr. phil. [Arbeitsstellenleiterin]
  3. Frank Heidermanns, PD Dr. phil. habil. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  4. Aletta Leipold, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  5. Almut Mikeleitis-Winter, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  6. Luise Morawetz, M.A. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  7. Susanne Näßl, Dr. phil. habil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  8. Katja Schmidt, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  9. Ulrike Seeger, Dipl. Germ. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  10. Christina Waldvogel, M.A. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  11. Torsten Woitkowitz, Dr. phil. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
Akademienprogramm Gesamt

Übersicht über alle laufenden Forschungsprojekte im Akademienprogramm:
www.akademienunion.de

Zum AGATE-Portal, Forschungsinformationssystem der Wissenschaftsakademien:
https://agate.academy/

Denkströme

Denkströme IconDas Open Access (Online-)Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften:

www.denkstroeme.de

Diffusion Fundamentals

Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
diffusion.uni-leipzig.de

Termine
Buchpräsentation "Die Inschriften der Stadt Wittenberg" 15.11.2019 17:00 - 19:00 — Ratssaal des Rathauses, Markt 26, 06886 Lutherstadt Wittenberg
Akademie-Kolloquium: Clara Schumann – Facetten einer Briefschreiberin 22.11.2019 11:15 - 13:00 — Bach-Archiv Leipzig, Sommersaal, Thomaskirchhof 15/16, 04109 Leipzig
Lesung: Clara Schumann in Briefen an Elisabeth und Heinrich Herzogenberg 27.11.2019 18:00 - 19:30 — Bibliotheca Albertina, Vortragssaal, Beethovenstr. 6, 04107 Leipzig
Internationale Tagung: Jacobi und Kant 28.11.2019 - 30.11.2019 — Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum
Öffentliche Herbstsitzung 2019 13.12.2019 16:00 - 18:00 — GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Großer Vortragssaal, Johannispl. 5-11, 04103 Leipzig
Internationale Konferenz: Insular-kontinentale Wechselbeziehungen in der volkssprachigen Überlieferung des Frühmittelalters und ihre lexikographische Erschließung 16.02.2020 - 18.02.2020 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig