Althochdeutsches Wörterbuch

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
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Vaterunser (um 790), Abrogans-Handschrift der Stiftsbibliothek St. Gallen

Darstellung des Venantius Fortunatus
Darstellung des Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers im 6. Jh., wie er eine Heiligenvita in lateinischer Sprache mit Feder, Radiermesser und Tinte auf Pergament niederschreibt. Von ihm verfasste Werke wurden in Klosterschulen gelesen und glossiert, d. h. mit Worterklärungen in deutscher Sprache versehen. Poitiers, Bibliothèque municipale, ms 250 (136), fol. 21 v, 11.  Jh

Das „Althochdeutsche Wörterbuch“ hat zum Ziel, das gesamte erhaltene Wortgut des frühestbezeugten Deutschen aus allen Textsorten zu erfassen und zu erschließen. Es stützt sich dabei auf das von Elias von Steinmeyer (1848–1922) begründete und seither kontinuierlich aktualisierte Archiv mit etwa 750 000 Belegzetteln, in dem alle Wortformenbelege von den Anfängen deutscher Schriftlichkeit im 8. Jh. bis zu Spätbelegen des 13. bis 15. Jh. aus kritischen Editionen zusammengeführt sind. Die Belege stammen aus allen deutschen Mundarten, vom alemannisch-bairischen Süden über die verschiedenen Teile des Fränkischen bis hin zum Niederdeutsch-Altsächsischen. Einsprengsel in lateinischen Rechtstexten sind zurückgestellt. Das komplexe Wörterbuchkonzept mit der akribischen Arbeitsmethodik geht auf Elisabeth Karg-Gasterstädt (1886–1964) und Theodor Frings (1886–1968) zurück. Es strebt größte Bearbeitungstiefe und umfassende Aussagefähigkeit zu allen sprachhistorischen Fragestellungen an, um der historischen Lexikographie des Deutschen ein grundlegendes, langfristig dienliches Forschungsinstrument bereitzustellen. Die überlieferten Wortformen werden normalisierten Ansätzen zugeordnet und unter Einbeziehung der zugehörigen Kontexte lautlich, grammatisch, semantisch und syntaktisch beschrieben. Alle Belegstellen sind interpretiert und vollständig aufgelistet, wobei die Kontexte je nach Aussagefähigkeit oder Schwierigkeit in Auswahl zitiert sind, um die Gebrauchsweise(n) eines Wortes zu illustrieren und nachprüfbar zu machen. Durch systematische Bezugnahme auf Wörterbücher der anderen altgermanischen und der jüngeren deutschen Sprachstufen wird die Verbreitung und Entwicklung eines Wortes dokumentiert. Abgesehen von der Darstellung der einzelnen Stichwörter werden auch Wortschatzstrukturen sichtbar gemacht.

Neben philologischen Informationen gibt das „Althochdeutsche Wörterbuch“ auch Aufschlüsse über die Zeit der Karolinger, Ottonen und nachfolgender Herrschergeschlechter, als die deutsche Kultur und Sprache durch die Aneignung von Antike und Christentum und die enge Beziehung zum romanischen wie zum irisch-angelsächsischen Kulturkreis ihr besonderes Gepräge erhielten.

Von den geplanten zehn Bänden sind die Bände I bis VI (A–N) erschienen. Die Bände I bis IV (A–J) sind als Reprint erhältlich. Die Arbeiten am Bd. VII (O–R) sind im Gange.

Abkürzungsverzeichnisse 1968 bis 2009 (online seit April 2011):

Abkürzungsverzeichnisse

Literatur:

Ingeborg Köppe, Das Althochdeutsche Wörterbuch, in: Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Geschichte ausgewählter Arbeitsvorhaben. Im Auftrag der Akademie hrsg. v. Heinz Penzlin. S. Hirzel, Stuttgart/Leipzig 1999. (als PDF)
Ingeborg Köppe: Das Althochdeutsche Wörterbuch: Konzeption – Materialkorpus – Bedeutungswörterbuch und Kulturgeschichte.
Torsten Woitkowitz: Die Erstellung eines Substantivartikels am Beispiel des kulturgeschichtlich interessanten Wortes horn.
Brigitte Bulitta: Philologische Grundlagenforschung am Althochdeutschen Wörterbuch der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Rudolf Große: Bemerkungen anlässlich des Vortrages von Brigitte Bulitta »Philologische Grundlagenforschung am Althochdeutschen Wörterbuch«
Almut Mikeleitis-Winter: Wörter(buch) und Sachen. Alltagswortschatz im Althochdeutschen

Rezensionen zum Althochdeutschen Wörterbuch (Auswahl):

V. M. Žirmunskij (1956) = Voprosy Jazykoznanija 5, S. 145–148 (russisch)
Heinrich Wesche (1957) = Niederdeutsches Jahrbuch 80, S. 136–137
Edgar C. Polomé (1961) = Revue Belge de Philologie et d'Histoire 39, S. 615-616 (französisch)
Henri Draye (1961) = Erasmus 14, Sp. 276-278
Hans Schwarz (1962) = Bibliographische Handbuch zur Sprachinhaltsforschung 1,1501–1503 [dort die oben genannten u. weitere Rezensionshinweise]
Peter H. Salus (1964) = Germanic Review 39, S. 155–156 (englisch)
Ernst A. Ebbinghaus (1970) = General Linguistics 10, S. 5–11 (englisch)
Paul Valentin (2002) = Études germaniques 57, S. 745–749 (französisch)
Hans U. Schmid (2004) = Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, S. 506–513
Arend Quak (2011) = Amsterdamer Beiträge für ältere Germanistik 68,301 (zu Bd. 5,15)

 

Projektgruppe

  1. Hans Ulrich Schmid, Prof. Dr. phil. habil. [Projektleiter, OM, Philologisch-historische Klasse]
  2. Brigitte Bulitta, Dr. phil. [Arbeitsstellenleiterin]
  3. Frank Heidermanns, PD Dr. phil. habil. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  4. Katrin John [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  5. Aletta Leipold, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  6. Almut Mikeleitis-Winter, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  7. Susanne Näßl, Dr. phil. habil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  8. Katja Schmidt, Dr. phil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  9. Ulrike Seeger, Dipl. Germ. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
  10. Torsten Woitkowitz, Dr. phil. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  11. Gerti Rünzel [Wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin]
  12. Christina Waldvogel, M.A. [Wissenschaftliche Hilfskraft]
Termine
Öffentliche Herbstsitzung 2016 09.12.2016 16:00 - 20:00 — Bibliotheca Albertina, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig
Horst-Michael Prasser: Basisinnovation bei Kernreaktoren 16.01.2017 18:30 - 20:00 — TU Dresden, Festsaal des Rektorats, Mommsenstr. 11, 01069 Dresden
Forum "Offenes Land - offene Fragen" 08.02.2017 18:00 - 20:00 — Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig