Codex diplomaticus Saxoniae

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Codex diplomaticus Saxoniae
Helmholtzstraße 3
01069 Dresden

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Markgraf Heinrich von Meißen, 1239 April 19 - Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001, Nr. 352

Der 1860 von der Sächsischen Landesregierung begründete „Codex diplomaticus Saxoniae [regiae]“ (CDS) ist das mit Abstand wichtigste Urkundenwerk zur Geschichte der wettinischen Länder im Hoch- und Spätmittelalter. Bis heute sind in dem Werk etwa 12.000 Urkunden in insgesamt 32 Bänden ediert worden. Damit ist der CDS die bedeutendste Quellensammlung zur Geschichte des gesamten mitteldeutschen Raumes. Angesichts der herausragenden Stellung Mitteldeutschlands unter den deutschen Geschichtslandschaften und aufgrund des großen Gewichts, das die Landgrafen von Thüringen, Markgrafen von Meißen und seit 1423 auch Kurfürsten bzw. Herzöge von Sachsen im mittelalterlichen Reich besaßen, kommt der Edition darüber hinaus auch weit überregionale und partiell „internationale“ Bedeutung zu.

Entsprechend seiner Zielsetzung, sämtliche Urkunden zur Geschichte der sich vorwiegend auf Sachsen und Thüringen erstreckenden wettinischen Territorien in einer wissenschaftlich zuverlässigen Edition zugänglich zu machen, wurde der CDS in drei Hauptteile gegliedert: Hauptteil I („Urkunden der Markgrafen von Meißen und der Landgrafen von Thüringen“) beinhaltet die Urkunden des Gesamthauses Wettin und des 1247 ausgestorbenen thüringischen Landgrafenhauses der Ludowinger von den Anfängen 948 bis zur Leipziger Teilung 1485. Er besteht aus einer älteren Abteilung I/A, die den Zeitraum bis 1380 umfasst, und einer jüngeren Abteilung I/B, die mit dem Todesjahr des Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen Friedrich III. „des Strengen“ († 1381) einsetzt und mit der dauerhaften Teilung des wettinischen Herrschaftsbereichs 1485 endet. Hauptteil II ist den sächsischen Klöstern, Stiften und Städten gewidmet, während in Hauptteil III die in Sachsen überlieferten Papsturkunden ediert werden.

In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens erschienen nicht weniger als 24 Bände des CDS. Nach 1909 wurde die Arbeit jedoch faktisch eingestellt. Allerdings wurde das Projekt nie gänzlich aufgegeben, vielmehr konnte 1941 noch einmal ein Band des Hauptteils I (CDS I/B 4) im Druck erscheinen. Als Planvorhaben der 1950 wiederbegründeten „Historischen Kommission für Sachsen“ wurde das Editionsvorhaben mit deren Eingliederung in die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig im Jahr 1956 schließlich ein Akademieprojekt. Jedoch konnte es auch in diesem Rahmen zunächst nicht weiter gefördert werden.

Nach der friedlichen Revolution und der Gründung des Freistaats Sachsen 1989/90 setzten intensive Bemühungen zur Wiederaufnahme der Arbeit am CDS ein. Während sich das 1997 gegründete Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden die Bearbeitung der auf Sachsen konzentrierten Hauptteile II und III des CDS zur Aufgabe machte, führte die Sächsische Akademie der Wissenschaften die Edition des überregional und international bedeutsamen Hauptteils I mit den Urkunden der regierenden Markgrafen von Meißen und der Landgrafen von Thüringen in einem faktischen Neubeginn fort. Nachdem erste, 1998 begonnene Bemühungen 2002 zunächst zu einer Wiederaufnahme der Codex-Arbeit im Rahmen des Akademieprojekts „Quellen und Forschungen zur Sächsischen Geschichte“ führten, konnte 2008 ein durch das Akademienprogramm gefördertes eigenes Projekt „Codex diplomaticus Saxoniae“ an der Akademie eingerichtet werden.

Mit der Edition der meißnischen und thüringischen Fürstenurkunden erfasst das Vorhaben weite Teile der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Bayern sowie Randgebiete des heutigen Polen und Tschechien. Es dokumentiert die Herrschaftspraxis, die territorialstaatliche Politik, die reichspolitische Stellung und den dynastischen Verbund der Wettiner als einer der führenden fürstlichen Dynastien im hoch- und spätmittelalterlichen Deutschland. Damit leistet es Grundlagenforschung zur Geschichte eines der zentralen Kernräume des mittelalterlichen deutschen Reiches sowie zur vergleichenden Landes- und Reichsgeschichte.

Die 2002 an der Leipziger Akademie begonnenen Arbeiten galten zunächst der Herstellung eines Registers zu dem 1898 erschienenen Hauptteil I/A 3, der die Markgrafen- und Landgrafenurkunden von 1196 bis 1234 enthält. Das Register liegt seit 2009 als eigener Ergänzungsband des CDS vor. Seitdem konzentriert sich die Arbeit auf die Edition der mark- und landgräflichen Diplome der Jahre von 1235 bis 1288, dem Todesjahr Markgraf Heinrichs des Erlauchten. Darüber hinaus sammelt und dokumentiert das Akademievorhaben die urkundliche Überlieferung der regierenden Wettiner von 1289 bis zum Ende der selbstständigen Regierung Landgraf Friedrichs des Freidigen im Jahr 1320. Ein erster Band mit den Urkunden der Jahre 1235 bis 1247 konnte 2014 vorgelegt werden. 2017 ist ein weiterer Band erschienen, der die Urkunden von 1248 bis 1264 enthält. Die Edition der Urkunden von 1265 bis 1272 steht kurz vor dem Abschluss. Sie wird 2024 publiziert werden.

Nach dem Ende der von 2008 bis 2019 bestehenden Förderung im Rahmen des Akademieprogramms konnte die Edition der meißnischen und thüringischen Fürstenurkunden dank der Finanzierung durch die Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung (Mühlhausen) seit 2020 fortgesetzt werden. Die Arbeitsstelle und ihre Leitung sind weiter an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig angesiedelt. 2023 wurde die Arbeitsteilung zwischen der Akademie und dem ISGV in der Fortführung des CDS durch die Einrichtung einer für die Edition der Markgrafen- und Landgrafenurkunden bestimmten halben Mitarbeiter-Stelle am ISGV weiter vertieft. Der wissenschaftlichen Begleitung der an der Leipziger Akademie und dem ISGV gemeinsam fortgeführten Codex-Arbeit dient eine an der Sächsischen Akademie eingerichtete projektbezogene Kommission, der neben Vertretern beider Institutionen Mitarbeiter/Innen der sächsischen, thüringischen und Berliner Staatsarchive sowie auswärtige Fachgelehrte angehören.

 


Literatur:


Otto Posse, Codex diplomaticus Saxoniae regiae. Seine bisherige Herausgabe und seine Weiterführung, Leipzig 1876.
http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN616681240

Matthias Werner, „Zur Ehre Sachsens“. Geschichte, Stand und Perspektiven des Codex diplomaticus Saxoniae, in: Diplomatische Forschungen in Mitteldeutschland, hg. von Tom Graber (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, Bd. 12), Leipzig 2005, S. 261–301.
http://codex.isgv.de/Werner.pdf

Tom Graber und Mathias Kälble, Der Codex diplomaticus Saxoniae. Mediävistische Grundlagenforschung an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, in: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften 5 (2010), S. 169–176.
http://denkstroeme.de/heft-5/s_169-176_graber-kaelble

Mathias Kälble, 150 Jahre „Codex diplomaticus Saxoniae“ – Rückblick und Neubeginn, in: Zeitschrift für Thüringische Geschichte 64 (2010), S. 389–402.

Theo Kölzer, "Urkundeneditionen heute?!", in: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften 6 (2011), S. 44–55.
http://denkstroeme.de/heft-6/s_44-55_koelzer

Christian Schuffels: Der „Codex diplomaticus Saxoniae“. Zum Stand der Arbeiten am Urkundenwerk zur Geschichte Sachsens, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 154 (2018), S. 33–57.

 

Bisher erschienene Bände (Print- und Onlineversionen)

Codex-Bände

 

Rückblick auf die festliche Präsentation der drei neu erschienen Bände in der Sächsischen Staatskanzlei am 7.2.2011 anlässlich des 150. Gründungs-Jubiläums des Codex diplomaticus Saxoniae

Rückblick Codex-Präsentation

  

Der bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften angesiedelte Teil des Forschungsvorhabens wurde in der Zeit von 2008 bis 2019 im Rahmen des Akademienprogramms gefördert, das als derzeit größtes geistes- und kulturwissenschaftliches Langfrist-Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland von Bund und Ländern getragen wird. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen und Thüringischen Landtag beschlossenen Haushalts. Seit 2020 wird das Vorhaben von den Freistaaten Sachsen und Thüringen sowie der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung (Mühlhausen) finanziert.

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Projektgruppe

  1. Matthias Werner, Prof. Dr. phil. habil. [Projektleiter, OM, Philologisch-historische Klasse]
  2. Mathias Kälble, Dr. phil. [Arbeitsstellenleiter]
  3. Tom Graber, Dr. phil. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter ISGV]

Vorhabenbezogene Kommission

  1. Wolfgang Huschner, Prof. Dr. phil. habil. [Vorsitzender, OM, Philologisch-historische Klasse]
  2. Enno Bünz, Prof. Dr. phil. habil. [Stellvertretender Vorsitzender, Direktor des ISGV, OM, Philologisch-historische Klasse]
  3. Irmgard Fees, Prof. Dr. phil. habil. [Marburg]
  4. Volker Graupner [Weimar]
  5. Ulrike Höroldt, Prof. Dr. phil. [Berlin]
  6. Eckhart Leisering, Dr. [Dresden]
  7. Heiner Lück, Prof. Dr. iur. habil. [Halle, OM, Philologisch-historische Klasse]
  8. Johannes Mötsch, Dr. [Meinigen]
  9. Stefan Tebruck, Prof. Dr. [Gießen]
Akademienprogramm Gesamt

Übersicht über alle laufenden Forschungsprojekte im Akademienprogramm:
www.akademienunion.de

Zum AGATE-Portal, Forschungsinformationssystem der Wissenschaftsakademien:
https://agate.academy/

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Leipzig liest: Michael Hecker u. Bärbel Friedrich: Die ostdeutschen Universitäten im vereinten Deutschland 21.03.2024 18:30 - 20:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Texttransfer und intertextuelle Bezüge in den Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 07.10.2024 - 09.10.2024 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
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Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
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