
- Aus einem Wissenschaftskompendium der frühen jüdischen Aufklärung: Darstellung des heliozentrischen Planetensystems nach Kopernikus. Aus: Ma´ase Tuvja, Jeßnitz 1721 (Bibliothek des Simon-Dubnow-Instituts Leipzig)
Das Akademieprojekt „Europäische Traditionen – Enzyklopädie
jüdischer Kulturen“ ist im Simon-Dubnow-Institut für jüdische
Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig angesiedelt. Ziel des
Projekts ist die Erschließung, Systematisierung und begriffliche
Durchdringung der Lebenswelten der europäischen Judenheiten von der
Frühen Neuzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei wird die
moderne europäische Geschichte der Juden vor allem in Hinblick auf ihr
universalhistorisches Potential betrachtet.
Das Gesamtprojekt ist modular aufgebaut. Die Grundlage bildet das
Modul I: „Lexikon jüdischer Geschichte und Kultur“, das der Erarbeitung
und Veröffentlichung eines auf sieben Bände konzipierten
enzyklopädischen Werkes dient. Hierbei ist nicht faktographische
Vollständigkeit das Ziel, wohl aber die Erschließung signifikanter
Entwicklungen von der Tradition und Vormoderne zur Moderne, von sakral
zu weltlich geprägten jüdischen Lebenswelten. Wesentlich ist dabei zum
einen der thematische Fokus Recht – Institution – Politik. Dieser nimmt
historische Übergänge wie den von der Ära der korporativen Autonomie
hin zum Emanzipationszeitalter in den Blick. Einbezogen werden aber
auch der Zivilisationsbruch sowie die von der Katastrophe der Shoa
hinterlassenen rechtlichen und völkerrechtlichen Fragen. Der zweite
Fokus gilt dem Zusammenhang von – sakralem, das Judentum begründenden –
Text über Formen säkularen Wissens bis hin zu moderner Theoriebildung.

- Vergleichende Darstellung der Anatomie des menschlichen Körpers und der Architektur eines mehrstöckigen Hauses. Aus: Ma´ase Tuvja, Jeßnitz 1721 (Bibliothek des Simon-Dubnow-Instituts Leipzig)
Anhand dieser Zugänge bildet die Enzyklopädie eine nach Raum, Zeit
und Begriff differenzierte thematische Struktur aus. Diese leitet auch
die beiden weiteren Publikationsformate, Modul II: „Bibliothek“ sowie
Modul III: „Archiv“ an. Die „Bibliothek jüdischer Geschichte und
Kultur“ wird in zahlreichen Bänden eine gezielte Auswahl von Werken
jüdischer Autoren zur Wissensgeschichte, vor allem aus den
Gesellschafts-, Geistes- und Naturwissenschaften bieten; hinzu treten
Editionen staats- und völkerrechtlicher Literatur. In analoger Weise
entsteht das „Archiv jüdischer Geschichte und Kultur“, das in bis zu
fünfzig Publikationseinheiten jeweils exemplarische Quellen wie
Dokumente, Nachlässe, Briefe oder Tagebücher zu den als signifikant
ermittelten Themenfeldern zusammenführt. Als wesentliches Merkmal der
Lebenswelten der europäischen Judenheiten wird die Transnationalität in
den Editionsmodulen in der Vielfalt der Sprachen anzutreffen sein.