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Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung
Palaisplatz 3
01097 Dresden

Tel.: +49 351 563941-43
virtuellearchive@saw-leipzig.de

Teilarchiv der SAW, Foto: Eberhard Fischer

Im Rahmen einer Förderinitiative des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst koordiniert die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig im Zeitraum vom Mai 2017 bis Oktober 2019 das Verbundprojekt „Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung“ der landesfinanzierten geisteswissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Sachsens. Dazu wurden eine Projektgruppe sowie ein wissenschaftlicher Ausschuss, jeweils unter der Leitung des Präsidenten der Akademie eingerichtet.

Die Forschungen des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden, des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, des Sorbischen Instituts in Bautzen und Cottbus, des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig beruhen auf unterschiedlichsten Quellen bildlicher wie gegenständlicher Art, aber immer öfter auch multimedialer und rein digitaler Art. Meist sind die relevanten Bestände weit verstreut und müssen aufwändig erschlossen und zusammengeführt werden. Dazu erlangt die digitale Verfügbarkeit dieser Quellen zunehmend an Bedeutung für die wissenschaftliche Arbeit. Die Aufbereitung und Verfügbarmachung der Quellen und Forschungsdaten in standardisierter Form ermöglicht die vielfältige Nachnutzung und fach- wie standortübergreifende Auswertung von Materialien im Internet, sowohl für die wissenschaftliche Community als auch für die interessierte Öffentlichkeit. Virtuelle Archive bieten den Nutzern, entsprechend der jeweiligen Schwerpunktsetzung, einen Zugang, der themenbezogen, quellen- bzw. materialbezogen, epochenbezogen, mit zeitlichem oder geographischem Bezug sowie personenbezogen sein kann. Die individuelle Suche in den zusammengeführten Beständen mehrerer Archive eröffnet der Forschung neue Perspektiven.

Diese neuen Möglichkeiten werfen aber auch eine ganze Reihe von Fragen auf, die nicht mehr von jeder Institution allein, sondern nur gemeinsam beantwortet werden können. Auch die Funktion von Forschungseinrichtungen als Wissensproduzenten und Wissensvermittler erweitert sich mehr und mehr um die Rolle des Datenhalters. Im erheblichen Umfang werden momentan in Verbünden von Bibliotheken, Archiven und Universitäten Infrastrukturen und Repositorien für die Digital Humanities aufgebaut, sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext. Um hier partizipieren zu können, sind darauf abgestimmte Arbeitsabläufe, die Einhaltung technischer, inhaltlicher und rechtlicher Standards, die Sicherung von Langzeitarchivierung und persistenter Zugänglichkeit von großer Bedeutung. Durch diese fortschreitende Entwicklung sind die geisteswissenschaftlichen Landesforschungseinrichtungen mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert.

Vor diesem Hintergrund bietet das gemeinsame Projekt „Virtueller Archive“ eine hervorragende Möglichkeit, das bei allen Einrichtungen bereits vorhandene, projektbezogene, zum Teil sehr spezifische Wissen im Bereich der Digital Humanities auch den anderen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, dass die diesbezüglichen Kompetenzen gebündelt werden und somit alle Forschungseinrichtungen voneinander profitieren können. Darüber hinaus kann und soll diese Art der Kooperation dazu beitragen, die sächsischen Institute auf dem digitalen Feld enger zu vernetzen, gerade auch in Hinblick auf die Fähigkeit, zukünftig gemeinsame Aktivitäten oder Projekte mit externen Partnern durchzuführen.

Die Diversität der geisteswissenschaftlichen Forschung in den sächsischen Einrichtungen zeigt sich nicht zuletzt in den bearbeiteten Teilprojekten:

Sorbisches Institut e.V.
Virtuelles Archiv zur Geschichte der Sorben in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
Unbeschadet vielfältiger und zahlreicher Einzelergebnisse der Forschungen der letzten Zeit muß die Geschichte der Sorben während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus weiterhin als Desiderat angesehen werden. Als Hindernis für die historische / sorabistische Forschung gilt besonders die Dislozierung sowie mangelnde Zugänglichkeit der Quellen. Hier möchte das Sorbische Institut mit einem virtuellen Archiv Abhilfe leisten und Forschung ermöglichen. Im Rahmen des Projektes sollen einschlägige Unterlagen in Archiven und anderen Verwahrorten sowohl in der Ober- und Niederlausitz als auch an anderen Orten im In- und Ausland recherchiert, verzeichnet und digitalisiert werden. Die so gewonnenen Ergebnisse sollen über ein Portal zugänglich gemacht und so die Forschung zum Thema nachhaltig befördert werden.
    Zum Projekt: n.n.


Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) an der TU Dresden
Datenbank zur Erschließung der Tageszeitung der NSDAP für den Gau Sachsen "Der Freiheitskampf" (1930–1945)
Der Zeitungsbestand der erhaltenen Ausgaben der Jahrgänge 1930 bis 1945 wurde von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) digitalisiert. Am HAIT entsteht dazu in Form der Datenbank ein computergestütztes Findmittel, das den unmittelbaren Zugriff auf ausgewählte Texte durch Verlinkung mit den Digitalisaten gestattet. Die inhaltliche Erschließung der Tageszeitung und die Verknüpfung der aggregierten Daten mit anderen Datenbeständen erweitert für historische Untersuchungen zum Nationalsozialismus in Sachsen das Wissen über Struktur und Organisation diktatorischer Herrschaft und öffnet den Blick auf deren Akteure bei der Ausprägung und Gestaltung im jeweiligen sozialen Umfeld.
     Zum Projekt: http://www.hait.tu-dresden.de/fhk/

Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. (ISGV)
Erschließung und Digitalisierung des Nachlasses von Adolf Spamer
Die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung des Volkskundlers und Germanisten Adolf Spamer (1883–1953) ist unbestritten. Sein über unterschiedlichste Stellen verteilter Nachlass – der umfangreichste und bedeutsamste Teil liegt im ISGV – erfreut sich stetig steigender Nachfrage aus dem In- und Ausland. Die Digitalisierung und virtuelle Zusammenführung der Bestände ermöglicht eine neue Qualität der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Wirken Adolf Spamers.
     Zum Projekt: http://www.isgv.de/spamernachlass


Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig
Jüdische Gelehrte der sächsischen Moderne
Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Personenkatalogs jüdischer Gelehrter des 19. und 20. Jahrhunderts, der exemplarisch durch biografische Skizzen und einen tiefgestaffelten digitalen Quellen- und Begleitapparat erschlossen wird und in einer virtuellen Ausstellung gezeigt werden soll. Die systematische Erschließung trägt zur Erforschung der Transformationsprozesse der Moderne in Sachsen bei. Der flexibel erweiterbare Bestand soll unter anderem in die geplante „Sächsische Gelehrtendatenbank“ der SAW einfließen.
     Zum Projekt: n.n.


Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (SAW)
Virtuelles Archiv der Sächsischen Akademie der Wissenschaften
Das Archiv der 1846 gegründeten Sächsischen Akademie der Wissenschaften wurde während der Bombardierung Leipzigs im Dezember 1943 vollkommen zerstört. Somit fehlt die Grundlage für die Bearbeitung der Wissenschafts- und Institutionengeschichte der bedeutendsten Gelehrtengesellschaft im mitteldeutschen Raum für fast 100 Jahre. Das „Virtuelle Akademiearchiv“ soll mittels Erschließung und digitaler Zusammenführung akademierelevanter Quellenbestände anderer Archive helfen, dieses Desiderat zu beseitigen. In einer späteren Ausbauphase soll hieraus die „Sächsische Gelehrtendatenbank“ entstehen.
     Zum Projekt: https://www.saw-leipzig.de/de/projekte/virtuelle-archive


Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) [ab Oktober 2017]
Namhafte, mit Sachsen verbundene Wissenschaftler haben der Forschungsbibliothek des GWZO ihre Nachlässe und Sammlungen überlassen: der Archäologe Joachim Herrmann, der Filmhistoriker Hans-Joachim Schlegel, der DEFA-Dokumentarfilmer Günter Jordan. In diesen Beständen befinden sich bisher nicht erschlossene, für die Forschung wertvolle Materialien, darunter visuelle Grabungsdokumentationen und audiovisuelle Zeugnisse aus dem östlichen Europa. Im Prozess der digitalen Aufbereitung und Verfügbarmachung dieser schwer zugänglichen Quellen (Dia/Negative und Filme) sollen wichtige Lösungen für zukünftige Digitalisierungsvorhaben und das Forschungsdatenmanagement in Abstimmung mit den Verbundpartnern erarbeitet werden.
     Zum Projekt: n.n.


Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig veranstaltet in ihrer Funktion als Koordinationsstelle des Verbundprojektes regelmäßige interne Arbeitstreffen, jeweils  2017 und 2018 einen wissenschaftlichen Workshop und zum Ende der Projektlaufzeit 2019 eine Abschlusskonferenz. Zudem unterstützt sie die Partnerinstitute fortwährend bei der Entwicklung ihrer Einzelprojekte, vertritt das Verbundprojekt in Abstimmung mit den beteiligten Institutionen gegenüber externen Partnern und evaluiert die erreichten Projektfortschritte.

Projektgruppe

  1. Hans Wiesmeth, Prof. Dr. rer. pol. habil. [Projektleiter, OM, Technikwissenschaftliche Klasse]
  2. Silvio Dittrich, M.A. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  3. Hendrik Keller, M.A. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  4. Anne-Simone Rous, Dr. phil. habil. [Wissenschaftliche Mitarbeiterin]
Denkströme

Denkströme IconDas Open Access (Online-)Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften:

www.denkstroeme.de

Diffusion Fundamentals

Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
diffusion.uni-leipzig.de

Termine
Akademiekolloquium: Heute an Morgen denken - Den Kohlenstoffkreislauf in Schwung bringen! 27.10.2017 11:00 - 13:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften, Karl-Tauchnitz-Straße 1, Vortragssaal
Tagung: Krieg und Revolution. 1917 als (Ein-)Bruch der Moderne 16.11.2017 - 18.11.2017 — Zeitgeschichtliches Forum, Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig