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Erschließung und wissenschaftliche Auswertung des meteorologischen Teils der Weikinn’schen Quellensammlung zur Witterungsgeschichte Mitteleuropas

Anschrift:
Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Karl-Tauchnitz-Sr. 1
04107 Leipzig

Tel.: +49 341 711533-13
Fax: +49 341 711533-44

Teil der Weikinn’schen Materialsammlung

Das Vorhaben endete am 31.05.2011.

Etwa im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts hat der meteorologisch interessierte Bankbeamte Curt Weikinn (1888–1966) eine Vielzahl wissenschaftlicher und heimatkundlicher Publikationen nach Wetterbeschreibungen durchgesehen und jedes der gefundenen Ereignisse auf ein kleines Blättchen geschrieben. So ist eine Sammlung von mindestens 100 000 Notizzetteln entstanden. Die fixierten Zitate stammen vorrangig aus Mitteleuropa und belegen einen Zeitraum von fast zwei Jahrtausenden. 1958 wurde begonnen, Meldungen, die hydrographische Ereignisse betreffen (Sturmfluten, Hochwasser im Binnenland, Vereisungen der Gewässer), unter dem Titel „Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahre 1850” zu veröffentlichen. Zu Weikinns Lebzeiten erschienen im Berliner Akademie-Verlag insgesamt vier umfangreiche Bände. Doch erst 2000 und 2002 wurde, dank Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Bereitschaft des Berlin-Stuttgarter Verlags Gebrüder Borntraeger, mit der Bearbeitung und Herausgabe des 5. und 6. Teilbandes durch Michael Börngen und Gerd Tetzlaff (Institut für Meteorologie der Universität Leipzig) die Abteilung “Hydrographie” abgeschlossen.

Curt Weikinn hat überwiegend Sekundärquellen benutzt, die angesichts vieler Fehlermöglichkeiten heute bei zahlreichen Wissenschaftlern nicht unumstritten sind. Wenn möglich, wird auf zuverlässigere, aber ungleich schwerer zugängliche Primärquellen aus Archiven zurückgegriffen. Gleichwohl nutzen viele Autoren den bisher publizierten Sammlungsteil und beweisen damit, dass es sich bei den Weikinn’schen Quellentexten insgesamt um einen wertvollen Datenfundus und um eine stabile Ausgangsbasis für die natur- und geisteswissenschaftliche Forschung handelt. Es ist deshalb gerechtfertigt, nach dem hydrographischen Teil den übrigen, vorwiegend meteorologischen Teil der Belegsammlung (etwa vier Fünftel des Gesamtumfanges!) quellenkritisch zu erschließen.

In einer ersten Etappe (03/2006-03/2008) wurden zunächst die neueren Quellentexte des Zeitraums 1800 bis 1915 aufbereitet. In der zweiten Etappe wurde die Aufarbeitung der Weikinn’schen Quellensammlung mit Erfassung der Einträge vor 1800 kontinuierlich fortgeführt. Zudem wurden in diesem Arbeitsabschnitt ergänzend umfangreiche Quellenrecherchen in Archiven und Bibliotheken vorgenommen. Ziel war es zum einen, unsichere oder ggf. falsche Daten in der Sammlung von Curt Weikinn zu identifizieren. Zum anderen sollten zu den bereits vorliegenden Weikinn-Angaben primäre Quelleninformationen erhoben werden. Damit wurde eine umfangreiche Materialbasis geschaffen, auf deren Grundlage Beiträge zur Witterungsgeschichte Mitteldeutschlands unter besonderer Beachtung der soziokulturellen Auswirkungen von Extremereignissen sowie zur Geschichte der qualitativen und quantitativen Erfassung von Wetter- und Klimadaten in diesem Raum erarbeitet werden konnten.

Das wiederum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Vorhaben (Förderkennzeichen: HE 939/18-3) wurde in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig und dem Institut für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig durchgeführt.

 

Projektgruppe

  1. Jost Heintzenberg, Prof. Dr. rer. nat. [Projektleiter, KM, Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse]
  2. Manfred Wendisch, Prof. Dr. rer. nat. habil. [Projektleiter, OM, Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse]
  3. Michael Börngen, Dr. rer. nat. [Arbeitsstellenleiter]
  4. Mathias Deutsch, Dr. rer. nat. [Wissenschaftlicher Mitarbeiter]
  5. Marta Fischer, Dr. rer. med., Dipl. Germ. [Wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin]
  6. Nadine Claudia Wetzel, M. A. [Wissenschaftlich-technische Mitarbeiterin]