Plenarvorträge 2018

Vortrag am 13.4.2018

Stefan Odenbach (Dresden), Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse

Dr. rer. nat. Ing. habil., Professor für Magnetofluiddynamik an der Fakultät Maschinenwesen der Technischen Universität Dresden; am 8. Februar 2008 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Forschungsgebiete: Strömungsmechanik komplexer Fluide, Rheologie, Messtechnik.

Können Materialien smart sein? Faszination magnetischer Hybridmaterialien

Der Begriff der „Smart Materials“ zieht sich seit vielen Jahren sowohl durch die wissenschaftliche Fachliteratur als auch durch die Presse im Allgemeinen. Dabei stellt sich die Frage, was darunter eigentlich zu verstehen ist? Blickt man hier in die Literatur, so wird in der Regel davon ausgegangen, dass es sich um Materialien handelt, deren Eigenschaften durch externe Stimuli verändert werden können. Dabei ist die Zahl möglicher Stimuli unglaublich groß.

Blickt man auf Materialien, deren Beeinflussbarkeit technisch nutzbar ist, so stellen magnetische Hybridmaterialien quasi einen Prototyp der Klasse der „Smart Materials“ dar. Diese Materialien, die aus magnetischen Nano- oder Mikropartikeln in einer nichtmagnetischen Matrix bestehen, können durch die Wirkung magnetischer Felder gesteuert werden.

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Ferrofluid unter der Wirkung des Magnetfeldes eines einfachen Elektromagneten

Wählt man als Matrixmaterial eine einfache newtonsche Flüssigkeit, so erhält man je nachdem, ob magnetische Nano- oder Mikropartikel eingesetzt werden, Ferrofluide oder magnetorheologische Flüssigkeiten. Alleine die Änderung der Partikelgröße führt hier zu signifikanten Veränderungen des Materialverhaltens im Magnetfeld. Während Ferrofluide nicht nur eine Veränderung ihrer Eigenschaften im Feld erlauben sondern auch eine aktive magnetische Strömungskontrolle, können in magnetorheologischen Fluiden magnetisch induzierte Fließgrenzen eingestellt werden, die z.B. für technisch relevante Kraftübertragungen eingesetzt werden können.

Noch umfangreicher wird die Möglichkeit zur Beeinflussung der Materialeigenschaften, wenn man anstelle einer einfachen newtonschen Flüssigkeit komplexere Materialien für die nichtmagnetische Matrix verwendet. Flüssigkristalle, Polymerlösungen oder Blut können hier – auch mit klar anwendungsrelevantem Bezug – das Spektrum der fluiden magnetischen Hybridmaterialien deutlich erweitern.

Verwendet man anstelle fluider Matrixmaterialien Elastomere oder Gele so erzeugt man eine neue Materialklasse, die seit rund 15 Jahren erforscht und üblicherweise als magnetische Elastomere bezeichnet wird. In diesen Materialien können sowohl der Elastizitätsmodul durch magnetische Felder beeinflusst als auch aktuatorische Deformationen des Materials induziert werden. Auch bei diesen Materialien bietet die Möglichkeit, die magnetische wie auch die nichtmagnetische Komponente zu variieren, die Chance, maßgeschneiderte Materialien für bestimmte Anwendungen zu erzeugen.

Allerdings erfordert eine zielgerichtete Einstellung der Materialeigenschaften ein detailliertes, skalenübergreifendes Verständnis des Materialverhaltens. An dieser Stelle müssen mikrostrukturelle Veränderungen mit Variationen des Materialverhaltens zusammengebracht werden, wozu z.B. die Röntgen-Mikrotomographie ein hervorragendes Werkzeug darstellt.

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Magnetisch induzierte Magnetbildung magnetischer Partikel in einem magnetischen Elastomer – sichtbar gemacht mit Röntgen-Mikrotomographie

Im Rahmen des Vortrags werden magnetische Hybridmaterialien als Prototyp der Klasse der „Smart Materials“ vorgestellt, ihre skalenübergreifende Erforschung thematisiert und mögliche Anwendungen in unterschiedlichsten Gebieten kurz dargestellt.

 

Vortrag am 9.3.2018

Viktor Mechtcherine (Dresden), Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse

Dr.-Ing., Professor und Direktor des Instituts für Baustoffe und Lehrstuhlinhaber an der Technischen Universität Dresden; am 10. Februar 2017 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Forschungsgebiete: Forschungsschwerpunkte: Entwicklung neuer, nachhaltiger, zementbasierter Verbundwerkstoffe, maßgeschneiderter Werkstoffdesign auf Grundlagen der Chemie, Rheologie, Bruchmechanik, etc., Untersuchung der Kurz- und Langzeiteigenschaften von neuen und bestehenden Baustoffen auf mineralischer Basis (Beton, Mörtel, Mauerwerk); Erforschung der für das Materialverhalten maßgebenden Mechanismen sowie der Mittel zu deren gezielten Beeinflussung; Modellierung des Baustoffverhaltens.

 

Digitales Bauen mit Beton – Herausforderungen und Lösungsansätze

In den vergangenen Jahren wurde in vielen Industriezweigen der Übergang zu einer durchgehenden digital gesteuerten Wertschöpfungskette (Industrie 4.0) begonnen und teilweise schon vollzogen. Für die Einführung von Industrie 4.0 im Bauwesen ist es notwendig, dass die bereits vorhandenen Werkzeuge der digitalen Bauplanung (CAD, BIM, etc.) durch die bisher weitgehend fehlenden Werkzeuge der digitalen Produktion zu einem kompletten System vervollständigt werden.

Das Bauen mit Beton ist die weltweit mit Abstand dominierende Bauweise mit einem jährlichen Materialumsatz von mehreren Milliarden Kubikmetern. Aktuell ist die Arbeitsweise im Betonbau durch einen hohen manuellen Aufwand sowie den begrenzten Einsatz von Mechanisierungskomponenten gekennzeichnet. Das Verbesserungspotential durch Digitalisierung ist immens. Die wichtigsten Aspekte sind:
- Steigerung der Produktivität, Senkung der Herstellkosten, Beschleunigung des Bauprozesses (die Attraktivität steigt mit steigender Komplexität und Individualität der Bauteile bzw. Bauwerke);
- große Gestaltungsmöglichkeiten der Bauteilgeometrie, hohes Potential zur Entwicklung neuer architektonischer Formen und statischer Bemessungskonzepte (u.a. durch die Natur inspirierte Bauelemente und die Umsetzung des Prinzips form follows force); - hohe Flexibilität des Bauprozesses (print on demand). Neben diesen offensichtlichen Vorteilen kann die Digitalisierung in der Bauproduktion entscheidend zur Lösung unterschiedlicher bestehender Probleme und Herausforderungen beitragen, wie z.B.:
- Mangel an qualifizierten Bauarbeitern (weltweites Problem; auch in den Ländern, in denen Arbeitskräfte in Fülle zur Verfügung stehen);
- Knappheit der Ressourcen an Ausgangsstoffen, Umweltverträglichkeit des Bauens (Verzicht auf Schalung und deren Entsorgung, materialsparende Bauteilgeometrie, Minimierung des Abfalls, Optimierung der Bauabläufe etc.);
- Arbeiten in schwer zugänglichen bzw. gefährlichen Bereichen oder weit entlegenen Gegenden.

Diverse Konzepte des digitalen Betonbaus werden bereits in einigen Ländern an ersten Pilotprojekten hinsichtlich der Praxiseignung validiert. Zum einen werden neue maschinelle Lösungen für den 3D-Betondruck entwickelt. Dies bezieht sich sowohl auf die Funktionalitäten und Konstruktion des Druckkopfes als auch auf die Systeme für seine computergesteuerte Führung gemäß der in die sogenannten G-Codes übersetzten CAD-Pläne. Zum anderen sind gute Fortschritte im Hinblick auf die Beherrschung des rheologischen Verhaltens von frischem und erhärtendem Beton als wissenschaftliche Grundlage zur Gestaltung des Druckprozesses zu verzeichnen. Spezifische rheologische Eigenschaften einschließlich deren gezielter zeitlicher Entwicklung sind für die Gewährleistung der hinreichenden Pumpbarkeit, Extrudierbarkeit, Verbaubarkeit (Formstabilität beim Aufbringen der nachfolgenden Schichten) sowie des Verbundes zwischen den einzelnen Schichten gefordert. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Steuerung der thixotropischen Eigenschaften und der Hydratationskinetik von Frischbeton sowie die Verlinkung des rheologischen Verhaltens mit den Betriebsparametern des digitalen Fertigungsprozesses unter Berücksichtigung der angewendeten Maschinentechnik.

Im Vortrag werden maßgebliche generative Fertigungsverfahren mit Beton vorgestellt, die Hauptmerkmale dieser Verfahren dargelegt und im Hinblick auf die folgenden Punkte diskutiert: a) das Material, b) die Prozessgestaltung und Maschinentechnik sowie c) die architektonische Gestaltung und statische Bemessung. Darüber hinaus werden rheologische Grundlagen angesprochen, die für die gezielte Gestaltung der Produktionsprozesse benötigt werden. Schließlich wird kurz auf solche praxisrelevanten Fragestellungen wie Integration der Bewehrung, Schwinden und Rissneigung sowie Dauerhaftigkeit eingegangen.

 

Vortrag am 9.3.2018

Helga Bumke (Halle), Mitglied der Philologisch-historischen Klasse

Dr. phil. habil., Professorin für Klassische Archäologie an MLU Halle-Wittenberg; am 10. Februar 2017 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Forschungsgebiete: Archäologie der griechischen Religion, insbesondere griechische Heiligtümer und Kulte, Ikonographie und Skulptur der griechischen Antike, Topographie Kleinasiens.

 

Mehr als nur ein Tempel. Wiederentdeckung und Rekonstruktion des unbekannten Heiligtums von Didyma

Das an der türkischen Westküste gelegene, sog. Apollonheiligtum von Didyma gehörte als extraurbane Kultstätte der griechischen Stadt Milet bereits im 6. Jh. v. Chr. zu den berühmtesten Orakelstätten der Antike. Sichtbaren Ausdruck fand seine Bedeutung bereits damals in einem monumentalen Tempel, dessen hellenistischer Nachfolgebau zwischen 1906 und 1913 freigelegt wurde und heute noch dominierend in Erscheinung tritt. Obwohl den schriftlichen Zeugnissen zu entnehmen ist, dass Didyma mit weiteren Bauten und Kultstätten weitaus komplexer gewesen sein muss, blieben die übrigen Strukturen des berühmten Heiligtumes aber weitgehend im Verborgenen. Seit Freilegung des Apollontempels vor über 100 Jahren gelang es erst wieder, im Rahmen der Ausgrabungen des Projektes ʽKulte im Kultʼ der NordrheinWestfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste Großbauten und andere sakrale Einrichtungen des Heiligtums zu lokalisieren und freizulegen.  Durch die Auswertung der schriftlichen Überlieferung und der archäologischen Zeugnisse älterer Grabungen sowie die Rekonstruktion des antiken Geländeprofils konnte ein völlig neues Bild von der einstigen Gestalt dieses Heiligtumes gewonnen werden. So wurden die Fundamente eines Theaters, eines Tempels und eines weiteren, wahrscheinlich ebenfalls sakralen Gebäudes entdeckt. Außer diesen Baustrukturen trat schließlich auch ein deponierter Komplex von qualitativ hochwertigem Votivmaterial des 6. Jhs. v. Chr. zutage, der Reste von Hunderten von Weihgaben umfasst. Als Bestandteil eines archaischen Kultbezirkes innerhalb des Gesamtheiligtumes vermag der Befund wichtigen Aufschluss über die Kulttopographie und Geschichte von Didyma in dieser frühen Phase zu geben. Darüber hinaus erlaubt die Analyse der vielfältigen Votivgaben aber nicht nur Rückschlüsse auf die lokale und internationale Bedeutung des Heiligtumes, sondern liefert auch Anhaltspunkte für die Bestimmung seiner Funktion.

Abgesehen von der Auswertung der Befunde und Funde sowie der Rekonstruktion der architektonischen Anlagen konzentriert sich die Untersuchung vor allem darauf, unter Berücksichtigung der umfangreichen schriftlichen Überlieferung die Funktionen der neuentdeckten Kultanlagen bzw. Kultplätze innerhalb von Didyma zu erschließen und ggf. die hier verehrten Gottheiten mit ihren Wirkungsbereichen zu identifizieren – gilt es doch, die sakralen Strukturen dieses extraurbanen Heiligtumes zu rekonstruieren und das spezifische Profil der hier verehrten Gottheiten wie auch die wechselseitige Beziehung ihrer religiösen Funktionen zu ermitteln. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Göttin Artemis, die an der Seite ihres Bruders Apollon in Didyma eine bedeutende Position einnahm und den antiken Schriftquellen zufolge einen eigenen Kultbezirk im Gesamtheiligtum besessen haben muss. Die Rekonstruktion ihrer sakralen Funktionen, die auf eine ungewöhnliche Einbindung der Göttin in den Orakelkult hindeuten, und die Lokalisation ihrer Kultstätte gehören zu den zentralen Fragen der aktuellen Forschungen, die im Vortrag vorgestellt werden sollen.

 

Vortrag am 9.2.2018

Ortrun Riha (Leipzig), Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse

Dr. med., Dr. phil., Professorin für Geschichte der Medizin am Karl-Sudhoff-Institut der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, am 11. April 2003 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Sächsische Akademie der Wissenschaften gewählt.
Hauptarbeitsgebiete: Alte Medizin, Medizin und Literatur, Frau und Medizin, Ethik in der Medizin.

 

Alterität und Ambiguitätstoleranz – Wahrnehmungs- und Deutungsmuster in der mittelalterlichen Medizin

Aus heutiger Sicht mutet die mittelalterliche Heilkunde in mehrfacher Hinsicht unwissenschaftlich an: Es dominierte die deduktive Argumentation auf der Basis einer unhinterfragten Theorie (der Vier-Säfte-Lehre), Empirie hatte einen negativen Beigeschmack (angeblich verlassen sich nur Ungebildete auf Erfahrung) und allenthalben stößt man in den Quellen auf magische Praktiken: Krankheitsvorstellungen und Therapieansätze waren ganz anders als in der heutigen Medizin. Der Vortrag lädt dazu ein, sich auf dieses andere Denken einzulassen und die Rationalität einer naturphilosophisch begründeten Heilkunde nachzuvollziehen, in der „Wissen“, „Erfahrung“ und „Forschung“ selbstverständlich existierten, aber in einer anderen als der modernen Bedeutung. Ein sensibilisierter Blick für den Konstruktcharakter der Wirklichkeit ist ein wesentlicher Aspekt dessen, was wir aus der Beschäftigung mit der mittelalterlichen Heilkunde lernen können.

Im frühen Mittelalter dominierte das geistliche Erkenntnisinteresse den naturkundlichen Diskurs, doch im 12. Jahrhundert setzte sich auch im monastischen Kontext unter direktem oder indirektem Rückgriff auf die Antike eine säkulare gelehrte Medizin durch, die wesentliche Impulse den Kontakten mit dem islamischen Kulturkreis verdankte, wo das antike Erbe gepflegt wurde. Gleichzeitig erlebte die praxisorientierte Chirurgie zunächst in Italien einen bemerkenswerten Aufschwung und lieferte – bei weiterhin bestehender Verankerung in der Säftelehre – eine Reihe von Innovationen, die über die Epochenschwelle hinaus Bestand hatten.

Medizin muss sich im Alltag bewähren; auf welcher theoretischen Grundlage sie das tut, spielt für die Patienten keine Rolle, denn „Wer heilt, hat recht“. Anhand von Textbeispielen zu Diagnostik und Therapie werden typische Wahrnehmungs- und Deutungsmuster der mittelalterlichen Medizin demonstriert und in den Dimensionen ihrer Leistungsfähigkeit analysiert.

 

Vortrag am 9.2.2018

Lothar Kreiser (Leipzig), Mitglied der Philologisch-historischen Klasse

Dr. phil. habil., em. Professor für Klassische Logik und Logische Semantik an der Universität Leipzig; am 10. März 1995 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Logik (Neuzeit bis Gegenwart), Logische Semantik.

 

Epistemische Überzeugungslogik

1. Eine epistemische Überzeugung ist die Annahme eines Sprechers/Schreibers x, dass ein sinnvoller Satz H zum Zeitpunkt t wahr ist.
Es wird davon ausgegangen, dass die Überzeugung (nicht die Aussage H, die man für wahr hält) einen numerischen Grad k (0 ≦ k ≦ 1) hat: x ist mit dem Grad k davon überzeugt, dass H wahr ist.
Das ist die dem Vortrag zugrunde gelegte Standartformulierung eines Überzeugungssatzes, formal dargestellt durch: φ(x, H).
2. Die Wahrheit einer Aussage H ist subjektunabhängig, die Überzeugung nicht.
3. Die Äquivalenz (H ist gewiss ≣ H ist wahr) ist falsch.
Das Epistemische ist dem Erkennnistheoretischen nicht äuivalent. Z.B. kann H wahr sein, das epistemische Subjekt aber kann mit Gewissheit davon überzeugt sein, dass H falsch ist.
4. Eine Annahme ist durch die Textsorte determiniert, auf die bezogen sie gesetzt wird. Eine Aussage z.B. ist nicht an sich ein Axiom, sondern erst in Relation zu einer gegebenen Menge von Aussagen. Sie hat als Axiom andere Eigenschaften, als z.B. eine Annahme in einer privaten oder öffentlichen Problemskizze, d.h. im Nachdenken über die Lösung einer Aufgabe. Im letzteren Fall ist sie eine der Plausibilität unterliegende Setzung einer Lösungsmöglichkeit, deren im Problemkontext mitgesetzten Folgerungen erst zu ermitteln sind.
6. Der Schreiber einer Problemskizze ist epistemisch in einer anderen Lage, als der Leser dieses Textes. Der Schreiber notiert seiner Überzeugung folgend, er akzeptiert oder verwirft sinnvolle Sätze nach eigenem Ermessen. Er argumentiert vor dem Hintergrund seines Gesamtwissens, auf das er wie auf eine Prämissenmenge zurückgreifen kann, die aber so dem Leser nicht bekannt ist. Dem Schreiber kann z. B. eine Aussage, die dem Leser als Postulat entgegentritt, eine Folgerung sein.
7. Der Schreiber nimmt in der Regel an, dass seine Aussagen wahr sind, dem Leser muss er größere Skepsis bis hin zur Ablehnung zugestehen. Aus dessen Perspektive können im Grenzfall alle Überzeugungssätze des Schreibers einen anderen, sich auf die Anwendbarkeit logischer Schlussregeln auswirkenden Überzeugungsgrad haben – und das von Leser zu Leser.
8. Wenn der Autor und Leser in einen auf Verstehen angelegten Diskurs eintreten wollen, so müssen beide eine wechselseitig akzeptierte logische Grundlage für ihn haben. Sie könnten sich einigen, klassisch-logisch unter Ausschluss der Anwendung von Schlussregeln zu argumentieren, deren inhaltlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind.
9. Mit dem Ausschluss solcher Schlussregeln aus der klassischen Logik ist keineswegs eine solche gemeinsame Basis bereits gefunden. Erstens ist die systematische Gültigkeit der gestrichenen Schlussregeln in der zweiwertigen Logik nicht außer Kraft zu setzen. Ihre Nutzung durch den Diskutanten ist lediglich unter Verbot gestellt. Zweitens ist völlig offen, ob und wenn ja, welche weiteren Verbote die explizit ausgesprochenen Verbote nach sich ziehen.
10. Gesucht ist eine höherwertige Logik, in der die Analoga zu allen klassisch-logischen Regeln ebenfalls Regeln sind, nicht aber die Analoga der zu verwerfenden.
Im Vortrag wird ein System vorgestellt, welches das leistet.

 

Vortrag am 12.1.2018

Klaus Manger (Jena), Mitglied der Philologisch-historischen Klasse

Dr. phil. habil., em. Professor für Neuere deutsche Literatur an der Friedrich Schiller Universität Jena; am 14. Februar 2003 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt; Mitglied der Vorhabenbezogenen Kommission für das Vorhaben „Edition des Briefwechsels von Johann Christoph Gottsched” der Sächsischen Akademie der Wissenschaften; Vizepräsident und Leiter der Geisteswissenschaftlichen Klasse der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt; seit 1998 Sprecher des Sonderforschungsbereichs 482: Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800.
Hauptarbeitsgebiete: Neuere deutsche Literatur mit den Forschungsschwerpunkten Narrenliteratur um 1500; Kollektive Freiheitsvorstellungen im 17. Jahrhundert (DFG-Projekt); Klassizismus, Aufklärung, Romantik; Kulturelles Gedächtnis um 1800; Epochenmorphologie; Editionen der Werke Johann Karl Wezels und Christoph Martin Wielands; Lyrik des 20. Jahrhunderts (Celan-Kommentierung).

 

Goethe – Philologie heute

 

Vortrag am 12.1.2018

Hartmut Friedrich Witte (Ilmenau), Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse

Dr. med., Professor für Biomechatronik am Institut für Mikro- und Nanoechnologien MacroNano®, Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Ilmenau; am 9. Februar 2007 zum Ordentlichen Mitglied gewählt.
Arbeitsgebiete: Biomechatronik: Funktionelle Morphologie – Bionik – Biomedizinische Technik

 

Biomechatronik – Beispiele für Chancen und Probleme gelebter Interdisziplinarität

„Effizienzsteigerung durch Synergien aus Interdisziplinarität als Zukunftschance“ ist eine jener Worthülsen, mit denen der Frontalangriff auf die Universitäten durch neoliberale Mittelkürzungen seit der Jahrtausendwende kaschiert werden soll. Biomechatronik wurde in Deutschland 2002 etabliert und stellt auch einen Versuch dar, diesen Missbrauch des Inter- oder auch Transdisziplinaritätsbegriffes durch Fortentwicklung seines ursprünglichen Sachinhaltes zu konterkarieren.

Anhand von Beispielen aus der Forschung im Feld zwischen, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften lässt sich das Arbeiten beim “Sitzen zwischen allen Stühlen“ konkret beschreiben. Der Raum zwischen den Fächerkulturen und der unterschiedlichen wissenschaftlichen Sozialisation der Kooperationspartner/innen ist stetig neu zu erobern, der Anspruch auf einen Platz sowohl in Grundlagen- als auch Anwendungsforschung für Bionik („Bio für Technik“) wie Biokompatibiltätsforschung („Technik für Bio“) schwer durchzusetzen – belastet mit allen Problemen einer von Pragmatismus getriebenen Forschungsfinanzierung. Die Erfahrung lehrt, dass sich unter dem Synergiebegriff die Aktivitäten nicht auf die Überlappungsbereiche (Schnittmenge) der Lebens- und Ingenieurwissenschaften konzentrieren lassen, sondern dass die zu lösenden fachlichen wie nicht-fachlichen Probleme der gesamten Vereinigungsmenge aller beteiligten Fächer entstammen.

Fachlich konnten tragfähige Problemlösungsstrategien erarbeitet werden.

Denkströme

Denkströme IconDas Open Access (Online-)Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften:

www.denkstroeme.de

Diffusion Fundamentals

Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
diffusion.uni-leipzig.de

Termine
Vortrag: Integrierte ökonomische Bewertung innovativer Geschäftsmodelle im Kontext der Energiewende 23.04.2018 18:30 - 20:00 — Technische Universität Dresden, Festsaal des Rektorats, Mommsenstraße 11, 01069 Dresden
Wissenschaftskino: Der junge Karl Marx 24.04.2018 19:00 - 21:30 — Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig
Öffentliche Vorträge im Rahmen der Frühjahrssitzung der Kommission für Kunstgeschichte, Literatur- und Musikwissenschaft 27.04.2018 11:00 - 12:30 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig
Vortrag: Energiewende – machbar? 07.05.2018 18:30 - 20:00 — Technische Universität Dresden, Festsaal des Rektorats, Mommsenstraße 11, 01069 Dresden
Buchpräsentation: Der Hainich. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme 14.05.2018 18:00 - 20:00 — Halle des Rathauses Mühlhausen, Ratsstraße 19, 99974 Mühlhausen
Akademientag 2018: Geisteswissenschaften 3.0 11.06.2018 11:30 - 21:00 — Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin
15. Internationaler Kongress zur Diplomatik 04.10.2018 - 06.10.2018 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig