Plenarvorträge 2019

Vorträge am 10.5.2019

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Haase (Leipzig)
Professor für Experimentalphysik/Festkörperphysik an der Universität Leipzig, am 11. Februar 2011 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Experimentelle Physik, Elektronische Eigenschaften von Festkörpern, Physikalische Chemie poröser Materialien, Entwicklung der Magnetischen-Resonanz-Spektroskopie, Probleme in Physik und physikalischer Chemie mit Methoden der magnetischen Resonanz

Alte und neue Phänomene in Quanten-Festkörpern und Magnetische Resonanz

Grundlegende Arbeiten über Konsequenzen der Quantenphysik für das Verständnis von Festkörpern kamen von P. Debye (vor seiner Leipziger Zeit), die Schwingungen der Atome im Festkörper betreffend, aber vor allem auch von W. Heisenberg und F. Bloch in Leipzig, die sich mit der Bewegung von Elektronen und ihrem Magnetismus befassten. Seitdem hat sich die Festkörperphysik unglaublich entwickelt. Man denke beispielsweise an die Halbleiterphysik, die z.B. Bloch-Elektronen geschickt manipuliert, um sie in Computern Rechnungen durchführen zu lassen, oder neuartiges Licht clever und kostengünstig zu generieren. Fast alle Bereiche unseres Lebens hängen von diesen Fortschritten ab.

Ganz anders steht es um die Supraleitung in Festkörpern. Entdeckt 1911 bei tiefsten Temperaturen ließ ihr Verständnis fast 50 Jahre auf sich warten, um bald als Tieftemperatur-Phänomen vernachlässigt zu werden. Erst weitere 30 Jahre später, unter der Leitung des hier bekannten K. A. Müller, wurde 1987 eine weitere Revolution eingeleitet. Nicht Metalle, sondern spezielle Keramiken konnten zur Supraleitung bei deutlich höheren Temperaturen gebracht werden. Heute, nach sicher mehr als 150.000 Publikationen ist dieses makroskopisch einfache Phänomen immer noch nicht verstanden und, getrieben mehr durch Experiment als Theorie, ist man beinahe an Zimmertemperatur heran gekommen. Das heißt, inmitten des Chaos der Debye-Schwingunen der Atome kann widerstandsfreier Strom fließen.

Ein weiteres Phänomen, das angesprochen werden soll, hat mit Topologie zu tun. Ganz unerwartet für Physik und Chemie entsprang vor 10 Jahren aus der Tiefe der theoretischen Physik die Einsicht, dass selbst chemisch einfachste Materialien nicht verstanden waren. Effekte, die an das (Leipziger) Möbiussche Band erinnern, können Elektronen in Festkörpern vorschreiben, was sie dürfen und was nicht, mit Konsequenzen die noch nicht abzusehen sind, sicher auch für die Chemie.

Die magnetische Resonanz beobachtet Atomkerne, die von Natur aus fundamentale Freiheiten besitzen. Als Quanten-Sensoren besonderer Art entgeht ihnen jedoch fast nichts, was um sie herum passiert. Deshalb ist diese Methode so unglaublich vielfältig und in vielen Bereichen zu finden – von Physik bis hin zur medizinischen Diagnostik. Leider kann es äußerst kompliziert sein zu entziffern, was die Atomkerne uns über elektronische Vorgänge sagen, die wir im Grunde noch nicht kennen. Zum Beispiel haben die Atomkerne nichts über die Supraleitung verschwiegen, aber wir haben ihre Signale über 30 Jahre hinweg falsch gedeutet, mit fundamentalen Konsequenzen für die Theorie. Das werden wir versuchen zu erklären. Auch haben wir erste, kleine Erkenntnisse vorzuweisen, die zeigen, dass magnetische Resonanz beim Verständnis von topologischen Materialien Einsichten liefert, die der grundlegenden Theorie entsprechen, aber auch Neues berichten.

 

Prof. Dr. phil. habil. Matthias Werner (Jena)
em. Professor für Thüringische Landesgeschichte und Mittelalterliche Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, am 12. Januar 1996 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte:
Thüringische, hessische und rheinische Landesgeschichte im Mittelalter, Geschichte des Frühmittelalters, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, Wissenschaftsgeschichte der Landesgeschichtsforschung im 20. Jahrhundert

Mitteldeutschland und das Reich in staufischer Zeit.
Neue Formen königlicher Herrschaft zwischen Saale und Elbe im 12./13. Jahrhundert

Der Vortrag widmet sich dem seit der Mitte des 12. Jahrhunderts verstärkten Bemühen des Königtums, die noch wenig erschlossenen, zu weiten Teilen direkt dem König unterstehenden Gebiete östlich der Saale zu einer Basislandschaft des Königtums in der östlichen Mitte des Reiches zu erheben und durch den Hinzuerwerb benachbarter Herrschaftsgebiete einen weiträumigen Komplex unmittelbaren königlichen Einflusses in Mitteldeutschland und dem südlich anschließenden Egerland zu schaffen. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stand die Errichtung des Reichslandes Pleißenland in den Jahren 1158/72 durch den staufischen Kaiser Friedrich Barbarossa (1152–1190), das sich mit der Reichsburg, Königspfalz und der entstehenden Stadt Altenburg als Zentrum von Colditz/Leisnig bis zum Erzgebirgskamm erstreckte und mit den modernsten Methoden der Herrschaftsbildung zu einem weitgehend geschlossenen Gebiet direkter königlicher Herrschaft ausgebaut wurde. Während sich im Südosten jenseits des Erzgebirgskammes das in den 1170/80er Jahren entstandene Reichsland Egerland mit dem Mittelpunkt Eger anschloss, errichteten im Westen an der oberen und mittleren Weißen Elster die Reichsministerialen von Weida einen weitgespannten Herrschaftsbereich mit den Zentren Plauen, Weida und Gera – das spätere Vogtland –, der unmittelbar dem Reich unterstand. Im westlichen Vorfeld davon fügte Friedrich Barbarossa um 1180 in geschickter Erwerbspolitik den großen Herrschafts- und Besitzkomplex Saalfeld mit dem Orlaland hinzu und baute gezielt die Positionen des Reiches an der mittleren Saale nördlich von Jena aus.

War bereits die derart geschaffene Einflusszone des Königtums an Umfang und Dichte einzigartig im Reich, so suchte Friedrich Barbarossas Sohn und Nachfolger Heinrich VI. (1190–1197) durch die – freilich nur kurzzeitig realisierbare – Einbehaltung der beiden Reichsfürstentümer Landgrafschaft Thüringen und Markgrafschaft Meißen 1190/95 für das Reich fast den gesamten mitteldeutschen Raum zwischen Werra und Elbe zu einer Zone direkten königlichen Einflusses zu machen. Doch bereits mit dem frühen Tod Heinrichs VII. 1197 und dem danach einsetzenden welfisch-staufischen Thronstreit und der damit verbundenen Schwächung des Königtums scheiterte das groß angelegte Konzept. Ging Saalfeld schon 1208 dem Reich wieder verloren, so fielen in der Endphase bzw. nach dem Untergang der staufischen Herrschaft das Pleißenland 1245 an die Wettiner, das Egerland 1266 an den König von Böhmen und erlangten die Herren bzw. Vögte von Weida bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts weitestgehende Selbstständigkeit, bevor sie mit großen Teilen ihrer Herrschaft unter wettinischen Einfluss gerieten. Endgültig im 14. Jahrhundert wurde aus der weiträumig konzipierten Königslandschaft in Mitteldeutschland ein zunehmend königsferner Raum, in dem das wettinische Territorialfürstentum zur dominierenden Kraft aufstieg. Der Vortrag möchte diese in der Forschung oft zu wenig beachtete Entwicklung in ihrer weichenstellenden Bedeutung für die Geschichte des Reiches thematisieren und an ihrem Beispiel nach den Möglichkeiten und Grenzen königlicher Herrschaft im 12./13. Jahrhundert fragen.


Festvortrag zur Öffentlichen Frühjahrssitzung am 12.4.2019

Prof. Dr. theol. Angelika Berlejung (Leipzig)
Professorin für Alttestamentliche Wissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, am 10. Februar 2017 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Religionsgeschichte Palästinas und seiner Nachbarn, Biblische Archäologie, Ikonographie Syrien-Palästinas, Alltagskultur in Palästina, Kulturanthropologie, Semitische Sprachen

Kleine Geschenke für große Götter: Weihegaben im alten Israel /Palästina

Der Vortrag beschäftigt sich mit Weihegaben (= materielle Geschenke von Menschen an Götter mit und ohne Gelübde) und -inschriften in Palästina (West- und Ostjordanland) von der Mitte des 2. Jt. bis zum Ende der Perserzeit (ca. 1500–333 v.Chr.): Ausgehend von einer kurzen und exemplarischen Bestandsaufnahme und Systematisierung der Weihinschriften und Objektweihungen (aus Ausgrabungen und Heiligtumskontexten [inkl. Favissae] stammend) werden die gängigen Interpretationsmuster für die Weihegabenpraxis vorgestellt, die von einer Kommunikations-, Sozial- bzw. Kulturtheorie der 'Gabe' und anthropologischen Aspekten des homo donans (z.B. Marcel Mauss, Pierre Bourdieu) ausgehen, und somit die horizontale Blickrichtung (Individuum; Mensch-Mensch) in den Mittelpunkt stellen. Doch sind Weihegaben nicht nur Teil einer komplexen sozialen Beziehung, sondern stehen auch an der Schnittstelle zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre (vertikale Blickrichtung), so dass sie als wertvolle Quelle für die antike Religionsgeschichte zu betrachten sind. Dies gilt insbesondere für Weihegaben, die beschriftet sind, sodass ihr Stifter explizit formulierte, welche Intentionen er mit seinem Geschenk verband und an welche Gottheit er sich damit wenden wollte.

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Heiligtum in (En Haseva/Israel 7. Jh.v.Chr. Photo A. Berlejung

Mit den archäologisch bezeugten Funden aus Israel/Palästina werden in einem weiteren Schritt ausgewählte alttestamentliche Texte in Beziehung gesetzt, die Gaben an Jhwh thematisieren. Es zeigt sich, dass das Alte Testament drei Gabenarten bezeugt: 1. Namentlich identifizierte königliche (David in der Chronik, Salomo im Königebuch) oder kollektive Stiftungen für das Heiligtum (Bau, Betrieb, Inventar, Tempelschatz) der Israeliten von hohem materiellem Wert (z.B. Ex 35f; 1Chr 29; Esra 8; Num 7). 2. Huldigungsgeschenke der fremden Völker oder ihrer (anonym bleibenden) Könige an Jhwh meist ohne Wertangabe. 3. Individuelle (z.B. David, Judith) oder kollektive Waffen-, Beute- und Trophäenweihungen (Gideon mit dem Kriegsvolk Ri 8; Josua mit dem Kriegsvolk Jos 6; Mose, Eleasar und die Offiziere sowie Krieger Num 31) von hohem materiellen Wert. Dabei wird in Texten der nachexilischen Zeit die traditionelle Votivpraxis aufgenommen und transformiert, um eine reflektierte "Theologie der Gabe" zu entwerfen oder das materielle Geschenk an Gott durch spiritualisierte Konzepte abzulösen.

Vorträge am 8.3.2019

Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Czarske (Dresden)
Professor für Mess- und Sensorsystemtechnik an der Technischen Universität Dresden, geschäftsführender Direktor des Instituts für Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik, am 9. Februar 2018 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Digitale Messsystemtechnik mit Schall- und Lichtwellen, Kontrolle von kohärenten Wellen, Berührungslose Präzisionsmesstechnik für technische und biologische Prozesse, Smarte Phased-Array-Messtechnik, Computerbasierte Lasersysteme in der Biomedizin


Digitale Holographie in der Optogenetik: Ein neues Fenster zum Gehirn

Wie funktioniert das Gehirn? Die Optogenetik kann helfen, Antworten zu dieser spannenden Frage zu geben. Die neue Methode verwendet eine Kombination aus Licht und der Änderung der genetischen Information eines Lebewesens, womit ein Paradigmenwechsel einhergeht. Gehirnzellen können in berührungsloser Weise hochaufgelöst vermessen und kontrolliert werden. Von der Optogenetik wird erwartet, dass sie neurodegenerative Erkrankungen, wie Morbus Parkinson und Morbus Alzheimer, besser verstehen, lindern oder sogar behandeln kann.

Es wird über die aktuellen Herausforderungen der holographischen Lichtstimulation von Neuronen mit geringer Latenz berichtet. Eine computerbasierte Echtzeitholographie kam für die Vermessung und Aktivierung von menschlichen Stammzell-abgeleiteten neuronalen Netzen zum Einsatz, womit die Konnektivität unmittelbar untersucht werden kann und Tierversuche nicht einbezogen werden müssen. Nur durch eine komplexe Betrachtung der Merkmale und Eigenschaften von neuronalen Netzen ist es möglich, die Konnektivität zu verstehen und mit elektrotechnischen Methoden zu kontrollieren.

Neueste Arbeiten konzentrieren sich auf die Lichtzuführung mit nadeldünnen, holographischen, linsenlosen, faseroptischen Endoskopen für die Stimulation im Gehirn. Dabei treten komplexe Lichtstreuungen auf, die in der Optogenetik für eine Anregung und Vermessung mit zellulärer Auflösung zu kontrollieren sind. Ziel derartiger, interdisziplinär ausgelegter Untersuchungen ist es, die bei der Lichtstreuung beobachteten Effekte tiefgründig unter Nutzung der Systemtechnik zu analysieren, um sie universell zu kontrollieren und ingenieurwissenschaftlich anzuwenden. Es liegt ein noch weitgehend ungenutztes Innovationspotential vor, so dass grundlegende Erkenntnisse und in die Praxis transferierte Innovationen zu erwarten sind.

 

Prof. Dr. phil. habil. Holger Diessel (Jena)
Professor für Anglistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Schiller Universität Jena; am 14. Februar 2014 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Sprachgebrauch und Sprachstruktur, Erstspracherwerb, Sprachvergleich, Sprachwandel

Demonstrativa: Von der Zeigegeste zur Grammatik

Die Demonstrativa bilden eine besondere Klasse raumdeiktischer Ausdrücke, die oft in Kombination mit einer Zeigegeste verwendet werden und die sowohl für die kommunikative Interaktion zwischen Sprecher und Hörer als auch für die diachrone Entwicklung der Grammatik eine ganz zentrale Rolle spielen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die psycholinguistische und sprachhistorische Forschung zu den Demonstrativa aus sprachvergleichender Perspektive und diskutiert die Implikationen dieser Forschung für die Theorie der Grammatik.

Dass Demonstrativa häufig in Verbindung mit einer Zeigegeste verwendet werden, ist seit langem bekannt (z.B. Bühler 1934), wurde bisher jedoch kaum mit experimentellen Methoden untersucht. Seit ein paar Jahren gibt es jedoch eine Reihe von psycholinguistischen Studien, die gezeigt haben, dass die enge Verbindung von Demonstrativa und Zeigegesten nicht nur für die kommunikative Interaktion, sondern auch für den Spracherwerb und die kognitive Entwicklung von Kindern von zentraler Bedeutung ist. Im Zentrum dieser Forschung steht der Begriff von „Joint Attention“, der sich auf ein grundlegendes Konzept der menschlichen Kognition bezieht und nach Ansicht vieler Entwicklungspsychologen eine wesentliche Voraussetzung für den Spracherwerb bildet.

Darüber hinaus spielt die aufmerksamkeitssteuernde Funktion der Demonstrativa bei der Organisation von Diskursen und der diachronen Entwicklung von grammatischen Funktionswörtern (z.B. Artikeln, Pronomen, Konjunktionen) eine wichtige Rolle. Der Vortrag zeigt (auf der Basis von Daten aus einer großen typologischen Datenbank von mehreren hundert Sprachen), dass die Demonstrativa in wohl allen Sprachen der Welt eine häufige Quelle für die Entstehung von grammatischen Ausdrucksformen bilden und dass das metaphorische Zeigen auf sprachliche Elemente die Entwicklung bestimmter Aspekte der Grammatik entscheidend beeinflusst hat. Ausgehend von diesem Befund befasst sich der Vortrag mit der seit einigen Jahren intensiv diskutierten Hypothese, dass grammatisches Wissen, anders als bisher oft angenommen, nicht unmittelbar auf einem biologisch determinierten „Sprachmodul“ basiert, sondern von allgemeinen Prozessen der Kognition und sozialen Interaktion abgeleitet ist.

Vorträge am 8.2.2019

Prof. Dr. rer. pol. habil., em. Hans Wiesmeth (Dresden)
em. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Dresden; am 13. Februar 2004 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse gewählt, Präsident der SAW seit 1. Januar 2016.
Forschungsschwerpunkte: Allgemeine Gleichgewichtstheorie, Allokationsansätze, Allokationsmechanismen für öffentliche Güter, insbesondere auch im Umweltbereich, Umweltökonomie in Theorie und Praxis

Ökonomische Aspekte der Kreislaufwirtschaft. Herausforderungen bei der Implementierung

Die Kreislaufwirtschaft, als Weiterentwicklung des linearen Wirtschaftssystems, wird gegenwärtig durch eine Vielzahl von Initiativen staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen vorangetrieben. Immense Vorteile im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung werden erwartet. Dennoch zeigen die Fakten, dass auch in Deutschland noch manches auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft zu tun bleibt. Grundsätzlich steht die Kreislaufwirtschaft für die Etablierung bzw. die Einhaltung der Abfallwirtschaft in allen Bereichen der Ökonomie.

Im Vortrag wird auf einige grundsätzliche gesetzliche Regelungen im Bereich der Abfallwirtschaft eingegangen: Produktverantwortung, Sammlung alter Produkte, Rücknahmeverpflichtung und Behandlung sowie Umweltstandards. Es zeigt sich, dass die geltenden Regelungen nicht ausreichen bzw. nicht passend formuliert sind. Abschließend wird im Kontext der Umweltstandards auch kurz auf die Rolle der Natur- und Technikwissenschaftler eingegangen.

 

Prof. Dr. med. Jan C. Simon (Leipzig)
Professor für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universität Leipzig, am 8. Februar 2008 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse gewählt.

Immunmodulierende Biomaterialien zur Förderung der Heilung chronischer Wunden

Chronisch nicht heilende Wunden nehmen in ihrer Häufigkeit weltweit dramatisch zu. Grund hierfür sind die demografische Entwicklung und Zivilisationsbegleiterkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen. Wesentlicher Faktor, warum eine Wunde nicht heilt, ist eine dauerhafte Entzündung der Wunde und der umgebenden Haut. Bestimmte Immunzellen, sogenannte Makrophagen, sind von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung dieser Entzündung. Im Vortrag vorgestellt wird ein völlig neues Therapiekonzept, in dem die Fähigkeit von extrazellulärer Matrix (die Substanz zwischen den Zellen), Immunreaktionen zu beeinflussen, genutzt wird. Wir fragten im Rahmen des Transregio SFB67 in Kooperation der Universitäten Leipzig und Dresden, ob wir Wundauflagen auf Basis der extrazellulären Matrix so chemisch modifizieren können, dass sie den Circulus vitiosus der Entzündung in chronischen Wunden unterbrechen. Durch geeignete chemische Modifikation des Glykosaminoglykans Heparin gelang es, selektiv proentzündliche Faktoren zu binden. In einer Reihe von in vitro und in vivo Versuchen wurde gezeigt, dass sich darüber gezielt und hochspezifisch die Entzündung in chronischen Wunden hemmen lässt. Auf dieser Basis hergestellte Wundverbände führen im Tiermodell zu einem wesentlich schnelleren Verheilen chronischer Wunden. Zusammenfassend wurde ein völlig neues Therapiekonzept in Form immunmodulierender Biomaterialien entwickelt, ihr Anwendungspotential geht weit über die Behandlung chronischer Wunden hinaus.

Vorträge am 11.1.2019

Prof. Dr. rer. nat. habil. Eike Brunner (Dresden)
Professor für Bioanalytische Chemie an der Technischen Universität Dresden, am 12. Februar 2010 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Biomineralisation, NMR-spektroskopische Untersuchungen an Proteinen sowie Metall-Organischen Gerüstverbindungen (MOFs)

Xenon – das fremde Element in der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie und Magnetresonanztomographie

Xenon (altgriechisch: das Fremde) ist ein Edelgas, welches in geringen Mengen in der Erdatmosphäre vorkommt. Eines seiner stabilen Isotope, das Isotop Xe-129 (ca. 26 % natürliche Häufigkeit), besitzt einen Kernspin von ½ und hat eine Reihe von interessanten Anwendungen in der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) und medizinischen Bildgebung (Magnetresonanztomographie, MRT) gefunden.

Die Anwendungen in der NMR-Spektroskopie beruhen vor allem auf der Tatsache, dass Xenon eine sehr empfindliche chemische Verschiebung besitzt, was auf seine große und leicht polarisierbare Elektronenhülle zurückzuführen ist. So dient das Xe-129 unter anderem als Sonde bei der Untersuchung ganz unterschiedlicher poröser Materialien wie Zeolithe, Metall-Organische Gerüstverbindungen (MOFs), kohlenstoffbasierte Elektrodenmaterialien und andere. Xenon findet auch Anwendungen in der biologischen NMR-Spektroskopie, unter anderem als Biosensor.

Eine weitere interessante Anwendungsmöglichkeit von Xenon besteht in der Tatsache, dass sogenanntes hyperpolarisiertes Xe-129 eine - im Vergleich zum thermodynamischen Gleichgewicht - sehr hohe Nachweisempfindlichkeit besitzt und nach Inhalation durch den Probanden zur medizinischen Bildgebung (MRT) an der menschlichen Lunge eingesetzt werden kann.

Prof. Ph.D Marie-Claire Foblets (Halle)
Honorarprofessorin für Recht und Ethnologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Direktorin der Abteilung ‚Recht & Ethnologie‘ am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale), am 13. Februar 2015 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse gewählt.
Forschungsschwerpunkte: Sozialanthropologische Analysen, Rechtspraxis, Religionsdiversität im weltlichen Kontext, Europäische Migration und Asylpolitik, transnationale Staatsbürgerschaft und Schutz der Menschenrechte, Islam in Europa, internationales Familienrecht

Recht und Kultur. Ethnologische Forschung zu derzeitigen Gesellschaftsfragen

Ausgangspunkt für den Vortrag ist das Konzept der kulturellen Diversität und deren verschiedene Funktionsweisen innerhalb der Rechtsordnung eines Staates. Die Frage, wie kulturelle Diversität innerhalb einer Rechtordnung funktioniert, ist komplex und verdient eine nuancierte Diskussion.

Es ist heute unbestritten, dass, weltweit, die große Mehrheit der Gesellschaften in den letzten 30 Jahren zunehmend multiethnisch und multikulturell geworden ist; diese Entwicklung schafft zentrale Fragen nach sozialem Zusammenhalt. Verschiedene neue und alternative Formen von Zugehörigkeit und Mitgliedschaft – sei es ethnischer, kultureller und/oder religiöser Art – scheinen einen Schatten auf den sozialen Zusammenhalt im konventionellen liberalen Begriffssinn zu werfen. Für sich allein gesehen, ist diese Konvergenz an Identitäten und Loyalitäten kaum überraschend. Von einer ethnographischen Sichtweise aus muss Diversität in der Tat als ein Phänomen gesehen werden, das nicht rückgängig gemacht werden kann. Heutzutage jedoch scheint Diversität, so wie sie im öffentlichen Diskurs verstanden wird, zu einem Hemmnis geworden zu sein, das seinerseits der Rolle, die das Recht in diesem Bereich spielen kann, eine neue Bedeutung zu geben scheint. Ziel des Vortrags ist es, auszuloten, inwieweit verschiedene innerstaatliche Rechtsordnungen – in ganz Europa –einen Schutz der kulturellen Diversität zulassen, sei es innerhalb der Rechtsordnung eines einzelnen Staates, sei es in Fällen, wo das Gesetz Ländergrenzen überschreitet. Ausgehend von spezifischen Beispielen, die überwiegend aus der Rechtsprechung stammen, werde ich die verschiedenen Auswirkungen untersuchen, die unter den heutigen staatlichen Rechtsordnungen (mit einem Fokus auf Europa) in direktem Zusammenhang mit der Bewahrung von kulturellen Identitäten stehen, wobei die Darstellungen eine klare Differenzierung in der Behandlung von Diversität offenbaren werden.

Denkströme

Denkströme IconDas Open Access (Online-)Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften:

www.denkstroeme.de

Diffusion Fundamentals

Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
diffusion.uni-leipzig.de

Termine
Akademientag 2019: Der Klang Europas 17.06.2019 12:00 - 21:30 — Akademie der Wissenschaften und der Literatur|Mainz , Plenarsaal, Geschwister-Scholl-Straße 2, 55131 Mainz
Abschlusstagung des Verbundprojekts "Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung": Vielfalt vernetzen – Wissen teilen 20.06.2019 - 21.06.2019 — Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), Zellescher Weg 18, 01069 Dresden
Podiumsdiskussion: Integration und Sprache 01.07.2019 15:15 - 17:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig
Internationale Tagung: Jacobi und Kant 28.11.2019 - 30.11.2019 — Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum