Workshop, ausgerichtet vom Akademievorhaben Leipzig Akkadian Dictionary

Um Anmeldung wird gebeten an Eric Schmidtchen: schmidtchen@saw-leipzig.de

Thema

Terminologien sind ein integrales Merkmal und Hilfsmittel spezialisierter Wissens- und Handlungsbereiche, wie etwa Recht, Medizin, Divination aber auch Bauwesen und Wirtschaft. In der Regel beinhalten sie eng umrissene, semantische Feinheiten, die in solchen spezialisierten Kontexten in Form einer Fachsprache gepflegt und tradiert werden. Ihre oft von der Bedeutung der verwendeten Wörter in der Umgangssprache abweichenden Nuancen sind dabei vornehmlich einem kundigen Publikum bekannt. Sind das nötige Publikum und/oder die Fachleute des entsprechenden Gebietes nicht mehr verfügbar oder ist die Sprache, in der diese Terminologien heimische sind – und damit auch die nötige Sprach- und Fachkompetenz – ausgestorben, ergeben sich Probleme bei der Erschließung der Bedeutung terminologischer Begrifflichkeiten – ein Hindernis, dass vor allem die Altphilologien und insbesondere die Lexikographen der etwaigen modernen Disziplinen betrifft.

Im Rahmen des Workshops werden auszugsweise spezifische Fachbegriffe oder Gruppen von Terminologien aus verschiedenen antiken Fachbereichen (Medizin, Botanik/Pharmakologie und Divination) des Akkadisch-sprachigen Mesopotamiens und des Alten Ägyptens vorgestellt und diskutiert. Im Zentrum stehen dabei die Annäherung an die terminologischen Bedeutungen, die Übersetzbarkeit von Begrifflichkeiten und Problemlösungsstrategien für den modernen Bearbeiter.

Programm

Botanische Lexikographie: Von der Etymologie und Übersetzung hin zur Interpretation und Identifikation akkadischer Termini

Barbara Böck

Der Vortrag analysiert den Prozess der Bedeutungsentschlüsselung dreier akkadischer botanischer Termini. Thematisch gegliedert in drei Teile wird zunächst der Begriff šarūru “Ranke, Rankentrieb” vor dem Hintergrund seines syrischen Kognats diskutiert. Daran anschließend wird auf die Methoden der vergleichenden Semitistik and Transferlinguistik zur Identifikation von Pflanzenamen eingegangen. Anhand der Fallbeispiele kurkānû und sikillu werden beide Ansätze systematisch konkretisiert und, gestützt auf philologische Kontextanalyse sowie biogeographische und botanische Daten, überprüft.

Der Körper im Körper: Akkadische Körperteilbezeichnungen als Termini der Opferschau

Nils P. Heeßel

In akkadischen Opferschautexten werden einzelne Partien der Eingeweide als „Finger“ (ubānu), „Kopf“ (rēšu) oder „Mund“ (pû) bezeichnet. Der Vortrag untersucht, nach welchen Form-, Lage- oder Funktionsanalogien solche Körperteilbezeichnungen auf Strukturen innerhalb anderer Organe übertragen werden und welche fachsprachlichen Bedeutungen sie dabei annehmen. Im Mittelpunkt steht ihre Funktion, divinatorisch relevante Partien voneinander abzugrenzen, zu benennen und räumlich zu bestimmen. Der Vergleich mit der lexikalischen Serie Ugu-mu, die den Körper vom Kopf zu den Füßen ordnet, verdeutlicht die Besonderheit dieser praxisgebundenen Anatomie: Sie erfasst ausgewählte Strukturen und macht sie als Träger göttlicher Zeichen lesbar.

Die Wahl zwischen Pest und whj-Krankheitsphänomen. Zum Umgang mit Über- und Unterinterpretation altägyptischer Fachtermini im Thesaurus Linguae Aegyptiae

Lutz Popko

Seit 2013 erfasst die Leipziger Arbeitsgruppe des interakademischen Projekts Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache altägyptische wissenschaftliche Literatur für den „Thesaurus Linguae Aegyptiae“, die weltweit größte ägyptologische Volltextdatenbank. Konkret bei den medizinischen und magischen Texten stand sie vor der Herausforderung, Fachtermini und -idiomatik aufzunehmen, deren Bedeutung sich trotz langer Forschungsgeschichte oft nicht sicher fassen lässt. Zusätzliches Diskussionspotenzial ergab sich daraus, dass in diesem Wissensgebiet ägyptologische und medizin(histor)ische Expertisen und Interessen zusammenfallen.

Der Vortrag wird die methodischen, strukturellen und editionstechnischen Rahmenbedingungen vorstellen und vor diesem Hintergrund beispielhaft Problematiken und Lösungen bei der Übersetzung und Beschreibung der medizinisch-magischen Fachsprache(n) präsentieren.

Bekanntes, Unbekanntes und zu Vermutendes: Einige Anmerkungen zu Terminologien der Symptombeschreibungen von Hautleiden in keilschriftmedizinischen Quellen

Eric Schmidtchen

In der Präsentation befassen wir uns mit der Frage nach der Möglichkeit des Erkennens von terminologischen Begriffen und deren Funktion in den Symptombeschreibungen und Diagnosen akkadischsprachiger, keilschriftmedizinischer Quellen. Anhand welcher Hinweise können spezielle Bedeutungen und Konnotationen abgeleitet werden, die nicht unmittelbar der Grundbedeutung eines Wortes entsprechen? Welche Probleme können auftreten, wenn eine unzureichende Quellenlage besteht oder eine vermeintliche Terminologie nur in einem bestimmten Kontext auftritt?

In der Präsentation befassen wir uns mit der Frage nach der Möglichkeit des Erkennens von terminologischen Begriffen und deren Funktion in den Symptombeschreibungen und Diagnosen akkadischsprachiger, keilschriftmedizinischer Quellen. Anhand welcher Hinweise können spezielle Bedeutungen und Konnotationen abgeleitet werden, die nicht unmittelbar der Grundbedeutung eines Wortes entsprechen? Welche Probleme können auftreten, wenn eine unzureichende Quellenlage besteht oder eine vermeintliche Terminologie nur in einem bestimmten Kontext auftritt?

Als Fallbeispiele und Diskussionsgrundlage für diese Schwerpunkte sollen eine Reihe von Begriffen aus den Symptombeschreibungen von Hautleiden und Krankheiten, die sich auch auf der Haut äußern, dienen. Die Hauptquelle stellt dabei die 33. Tafel des sogenannten Diagnosehandbuches (Sakikkû) dar, welches jedoch auch zahlreiche Parallelen in den therapeutischen Texten des 1. Jt. v. Chr. aufweist. Im ersten Teil widmen wir uns den sequenziellen Symptombeschreibungen für die Hautleiden ašû und ziqtu. Im zweiten Teil werden die zum Teil noch unklaren Begriffe laq/kāš/su, liq/k/š/su und lakûtu diskutiert.

Eine Reliefplatte zeigt eine mythologische Szene mit zwei Figuren unter einem Baum. Die detaillierte, aber abgenutzte Reliefplatte ist aus einem hellbraunen Stein gefertigt, unregelmäßig geformt und hat an den Rändern einige Ausbrüche. Im Vordergrund links ist ein geflügeltes, löwenartiges Wesen zu erkennen, Bild: British Museum
Relief, das einen Harfenspieler und einen Leierspieler mit einem zahmen Löwen unter Palmen und Kiefern zeigt. Assyrisch, 645–640 v. Chr. (Nord-Palast, Ninive)