8. Mai 2026

Vortrag aus der Philologisch-historischen Klasse: OM Bruno Klein

Professor i.R. für christliche Kunst der Spätantike und des Mittelalters an der TU Dresden; am 11. Februar 2011 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historische Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsgebiete: Kunst des Mittelalters, Geschichte der Architektur vom Mittelalter bis zu Gegenwart, Geschichte der Kunstgeschichte

Variationen von Bauinschriften im Mittelalter

Mittelalterliche Bauinschriften dokumentieren eine heute weitgehend vergessene Art materieller Kommunikation. Denn sie unterscheiden sich durch ihre inhaltliche und formale Originalität sowie ihren Variantenreichtum deutlich von entsprechenden Inschriften aus Antike und Neuzeit.

Besonders aufschlussreich ist diesbezüglich die Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert, als die Bauinschrift im Spanungsfeld zwischen der Tradition der „inschriftenfreudigen“ Baukultur der Antike und weitgehenden Illiteralität des Frühmittelalters neu entwickelt wurde.

Dies wird am Beispiel von drei prominenten Klosterkirchen der Zeit aufgezeigt: St. Stephanus und Vitus in Corvey (9. Jahrhundert), St. Michael in Hildesheim (11. Jahrhundert) und S. Zeno in Verona (12. Jahrhundert). Im ältesten Fall, Corvey soll die Inschrift die ideelle Position eines Klosters und dessen Baulichkeiten als Ankerpunkt innerhalb der als ungeordnet empfundenen Welt ausdrücken. Die späteren Inschriften in Hildesheim gehen hingegen nicht auf die Außenwelt ein, sondern dokumentieren umgekehrt ein geradezu hermetisches Selbstverständnis des unterdessen etablierten Mönchtums. Die inhaltlich und formal differenzierten Veroneser Bauinschriften stehen dem diametral gegenüber und bringen die Notwendigkeit zur intensiven Kommunikation in einer sich entwickelnden Öffentlichkeit zu Ausdruck.

Der Vortrag schließt mit einem kurzen Blick auf die Variationsmöglichkeiten spätmittelelterlicher Bauinschriften, bevor es zu deren bis heute weitgehend anhaltenden, auf antike Modelle rekurrierenden Typisierung kam.

8. Mai 2026

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: OM Emese Domahidi

Professorin für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Computational Communication Science (CCS) an der Technischen Universität Ilmenau; am 14. Februar 2025 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsschwerpunkte: Kommunikationswissenschaft, Digitalisierung, Datenanalyse und gesellschaftliche Folgen digitaler Medien

Von der Berichterstattung zu Large Language Models: Geschlechterstereotype in digitalen Medien

Geschlechterstereotype sind tief in unserer Kommunikation verankert – auch in digitalen und sozialen Medien. Geschlechterstereotype bezeichnen verallgemeinernde und vereinfachende Zuschreibungen über Eigenschaften, Rollen und Verhaltensweisen von Frauen und Männern und prägen maßgeblich, wie diese dargestellt und wahrgenommen werden. Zahlreiche Studien zeigen, dass Mediendaten solche Stereotype enthalten und häufig reproduzieren. Da sie zunehmend als Trainingsgrundlage für moderne KI-Systeme – insbesondere Large Language Models – dienen, werden diese Verzerrungen in algorithmischen Anwendungen fortgeschrieben und teilweise verstärkt.

Gleichzeitig werden Large Language Models nicht nur zur Information und Meinungsbildung genutzt, sondern auch in der Forschung eingesetzt, etwa zur automatisierten Klassifikation von Mediendaten. Dadurch können bestehende Verzerrungen sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in wissenschaftlichen Analysen wirksam werden. Dies hat potentiell weitreichende Folgen, insbesondere für die Sichtbarkeit und Bewertung von Frauen – einschließlich Politikerinnen – in öffentlichen Diskursen.

Der Vortrag beleuchtet das Problemfeld, präsentiert Forschungsergebnisse zu Mediendaten sowie neuere Erkenntnisse zu KI-Systemen und diskutiert gesellschaftliche und wissenschaftliche Implikationen.

10. April 2026

Öffentliche Frühjahrrsitzung

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: OM Sanaz Mostaghim

Die Wissenschaft der Entscheidungsfindung: Künstliche Intelligenz für ein besseres Leben für alle

13. März 2026

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: OM Katja Bühler

Professorin für Technologie produktiver Biofilme an der Technischen Universität Dresden gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ; am 14. Febru-ar 2025 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungssgebiete: Entwicklung oberflächenadhärierter Mikroorganismen für die Biotechnologie; Nutzung von photoautotrophen Mikroben für CO2-Upgrading; Metabolic Engineering von potenziellen Ganzzell-Biokatalysatoren; Life-Cell Imaging mikrobieller Biofilme; (Photo-)Biofilmreaktorentwicklung

Biofilm City – Von mikrobiellen Gemeinschaften zu biotechnologischen Anwendungen

Mikroorganismen leben in der Natur nur selten als isolierte Einzelzellen. Stattdessen organisieren sie sich häufig in komplexen Gemeinschaften, sogenannten Biofilmen, in denen Zellen in eine selbst produzierte Matrix aus extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) eingebettet sind. Diese Matrix verleiht den Gemeinschaften Stabilität, ermöglicht die Anhaftung an Oberflächen und schafft eine strukturierte mikrobielle Umgebung. Biofilme sind nahezu überall zu finden – in Böden und Gewässern, auf technischen Oberflächen, in industriellen Anlagen und auch im menschlichen Körper – und stellen damit eine der dominierenden Lebensformen von Mikroorganismen dar.
Der Vortrag nutzt das Bild einer „Biofilm City“, um zentrale Eigenschaften dieser mikrobiellen Gemeinschaften zu beleuchten. Wie in einer Stadt entstehen auch im Biofilm strukturierte Lebensräume, in denen Mikroorganismen miteinander interagieren, Ressourcen nutzen und ihre Aktivitäten koordinieren. Chemische Kommunikation, etwa über Quorum-Sensing-Signale, erlaubt es den Zellen, ihre Populationsdichte zu erfassen und gemeinschaftliche Prozesse zu steuern. Gleichzeitig führt die räumliche Organisation innerhalb des Biofilms zur Ausbildung chemischer Gradienten, aus denen unterschiedliche ökologische Nischen hervorgehen. Diese Struktur und funktionelle Differenzierung fördern eine bemerkenswerte phänotypische Vielfalt innerhalb der Gemeinschaft und tragen wesentlich zur Resilienz von Biofilmen bei. Die zugrundeliegenden Mechanismen eröffnen zugleich neue Perspektiven für biotechnologische Anwendungen. Biofilme erscheinen dabei nicht nur als Herausforderung, sondern zunehmend auch als wertvolle Ressource für zukünftige biotechnologische Strategien.

13. März 2026

Vortrag aus der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse: OM Christoph Neinhuis

Professor für Botanik und Direktor Botanischer Garten und Herbarium Dresden, am 14. Februar 2014 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsgebiete: Antiadhäsive biologische und technische Oberflächen, Biomechanik von Pflanzenkutikeln und natürliche Verbundmaterialien

Von der Biologie in die Technik: Beispiele für die Übertragung biologischer Lösungen auf ingenieurwissenschaftlich-technische Probleme

Die Beobachtung der Natur und die Nutzung von Lösungen aus der Biologie für technische Probleme hat eine sehr lange Tradition und wird mit Begriffen wie Bionik, Biomimetik, oder Biomimikry beschrieben. Das sicher eindrücklichste Beispiel dafür ist der Vogelflug und einer der bekanntesten Wissenschaftler, der diese Ansätze schon früh verfolgte, Leonardo da Vinci. Bis ins späte 19. Jahrhundert sind die meisten Ansätze zur Anwendung biologischer Anpassungen jedoch an den fehlenden technischen Voraussetzungen gescheitert. Durch die Entwicklung von physikalischen Mess- und Analysemethoden, chemischer Analytik und der rasanten Entwicklung der Materialwissen-schaften werden aber selbst komplexe biologische Strukturen und Prozesse verstanden und umsetzbar.
Anhand einiger ausgewählter Beispiele wird der Prozess von der Naturbeobachtung bis zur technischen Umsetzung dargestellt.

13. Februar 2026

Vortrag aus der Philologisch-historischen Klasse: KM Peter Wollny

Direktor des Bach-Archivs Leipzig und Außerplanmäßiger Professor an der Universität Leipzig; am 14. Februar 2025 zum Korrespondierenden Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsgebiete: Mitteldeutsche Musikpflege im 17. Jahrhundert; J. S. Bach: Leben, Werk, Quellenüberlieferung; Bach-Söhne; Bach-Rezeption im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert

Die Mitte des 17. Jahrhunderts als musikgeschichtliche Zäsur

Wer sich mit der Musikgeschichte des 17. Jahrhunderts beschäftigt, wird immer wieder mit dem Problem der Epochengliederung konfrontiert. Lassen sich die musikalischen Phänomene und Entwicklungen dieser Zeit mit einem einheitlichen Begriff fassen? Die um 1600 von Italien ausgehenden fundamentalen Veränderungen der Grundlagen des Komponierens begünstigten später in der historiographischen Forschung die Annahme eines epochalen Wandels, der mit den Begriffen Renaissance und Barock bezeichnet wurde. Im Blick auf die Musikpflege in den evangelischen Territorien tritt diese Zäsur allerdings deutlich zurück. Hier dominierten starke beharrende Kräfte und die komplexe polyphone Satztechnik blieb, wie ein Blick in zeitgenössische Lehrwerke zeigt, weiterhin das Fundament des Komponierens und des Denkens über Musik. Der Weimarer Organist Johann Gottfried Walther setzte 1732 den Beginn einer neuen Epoche denn auch auf das Jahr 1650 fest. Der Vortrag erläutert anhand ausgewählter Beispiele die Grundzüge der Entwicklungen Mitteldeutschland, dem Kernland der Reformation, dessen reiche Musikkultur derzeit im SAW-Projekt „Forschungsportal BACH“ schwerpunktmäßig in den Blick genommen wird.

9. Januar 2026

Vortrag aus der Philologisch-historischen Klasse: OM Stefan Pfeiffer

Professor für Alte Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; am 14. Februar 2025 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsgebiete:
Geschichte des griechisch-römischen Ägypten (4. Jh. v. Chr.–4. Jh. n. Chr.), Das Verhältnis von Herrschaft und Religion, Antikes Judentum

„What had the Romans ever done for us?“ Fremdherrschaft und Ethnizitätin der römischen Provinz Ägypten (1.–3. Jh. n. Chr.)

Der Vortrag greift die ironische Frage aus Monty Pythons „Life of Brian“ auf, um zentrale Forschungsfragen zum Charakter römischer Fremdherrschaft und sozialer Identität der römischen Provinz Aegyptus vorzustellen. Welche Formen nahmen Fremdherrschaft und Verwaltungspraxis im römischen Ägypten konkret an? Wie beeinflusste die römische Herrschaft die soziale und ethnische Scheidung zwischen „Griechen“, „Ägyptern“ und Römern? Und inwieweit boten lokale wie römische Kategorien von Zugehörigkeit individuelle Spielräume oder festigten bestehende Ungleichheiten?
Darüber hinaus wird gefragt, in welchen Praktiken und Kontexten soziale Zugehörig-keiten konstruiert, gewechselt oder erhalten wurden: Konnte ein Ägypter zu einem Griechen oder Römer werden, und was bedeutete das jeweils für Status und Integration? Welche Rolle spielten lokale Eliten, familiäre Selbstinszenierungen und religiöse Traditionen bei der Aushandlung von Zugehörigkeit? Und wie gestaltete sich das Ver-hältnis zwischen imperialer Gewalt, lokalen Anpassungsstrategien und Formen des Widerstands auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen?
Darüber hinaus wird gefragt, in welchen Praktiken und Kontexten soziale Zugehörigkeiten konstruiert, gewechselt oder erhalten wurden: Konnte ein Ägypter zu einem Griechen oder Römer werden, und was bedeutete das jeweils für Status und Integrati-on? Welche Rolle spielten lokale Eliten, familiäre Selbstinszenierungen und religiöse Traditionen bei der Aushandlung von Zugehörigkeit? Und wie gestaltete sich das Ver-hältnis zwischen imperialer Gewalt, lokalen Anpassungsstrategien und Formen des Wi-derstands auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen?

9. Januar 2026

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: OM Stefan Sinzinger

Professor für Technische Optik an der TU Ilmenau; Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der TU Ilmenau; am 14. Februar 2014 zum Ordentlichen Mitglied der Technik-wissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt.

Forschungsgebiete:
Entwurf, Fabrikation, Integration, Charakterisierung und Anwen-dung optischer Bauelemente und Module, Freiform Optik, optische Mikrosysteme

Holography – the magic of recording and tailoring of light

Holography turns out to be one of the most revolutionary inventions in the context of optics. It is attributed to Dennis Gabor and dates back to the middle of the 20th century. Since then it has gone through numerous of the well-known “Gartner-Hype Cycles”. In the presentation we will try to extract the essential methodology of the holographic principle which leads to the conclusion that it is still highly relevant for research and innovations in optical sensing, micro-nano technologies and green electronics. Thus, we will bridge the gap to the current research topics in the Fachgebiet Technische Optik at the Technische Universität Ilmenau such as phase retrieval, holographic vibrometry and optical reservoir computing.