Bitte beachten Sie, dass die Plenarsitzungen bis auf die Öffentliche Frühjahrssitzung und die Öffentliche Herbstsitzung nicht öffentlich sind.

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: JF Dennis Häckl

Juniorprofessor für Health Economics and Management an der Universität Leipzig und Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen und Public Management, am 11. Oktober 2024 in das Junge Forum der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewählt.

Forschungsgebiete: Gesundheitsökonomie, Versorgungsforschung mit Schwerpunkt Zivilisationskrankheiten, Innovationsökonomie unter Berücksichtigung regulatorischer Eingriffe, Umweltökonomie.

Kurzfristige Stabilisierung oder struktureller Umbau? Eine gesundheitsökonomische Einordnung der aktuellen Reform der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen seit Jahren schneller als ihre Einnahmen: Im ersten Halbjahr 2026 standen einem Ausgabenzuwachs von 7,1 % nur 4,1 % höhere Beitragseinnahmen gegenüber. Daran lässt sich eine allgemeinere Frage untersuchen. Wie steuert man ein komplexes System unter Finanzierungsdruck – durch kurzfristige Stabilisierung oder durch strukturellen Umbau? Der Vortrag nimmt das im Juli 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zum Ausgangspunkt. Das Gesetz koppelt die Ausgaben wieder an die Einnahmen und stabilisiert kurzfristig, vertagt die eigentlichen Strukturreformen jedoch. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Beitrag, dass die bekannten Kostentreiber, vornehmlich demografischer Wandel, chronische Erkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes, hochpreisige Innovationen, weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem darstellen. Am Beispiel eigener Routinedatenanalysen und des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs als datenbasierter Verteilungsmechanismus zeigt er, welche Rolle Gesundheitsdaten für eine evidenzbasierte Steuerung spielen. Der Vortrag schließt mit der fächerübergreifenden Frage nach den Zielen, Grenzen und der Verantwortung eines solidarisch finanzierten Gesundheitswesens

Vortrag aus der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse: OM Jürgen Haase

Professor für Experimentalphysik/ Festkörperphysik an der Universität Leipzig, am 11. Februar 2011 zum Ordentlichen Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse gewählt.

Forschungsgebiete: Experimentelle Physik, Elektronische Eigenschaften von Festkörpern, Physikalische Chemie poröser Materialien, Entwicklung der Magnetischen-Resonanz-Spektroskopie Elektronisches

Supraleitung

Enigma der Festkörper-Physik mit unglaublichen Anwendungen und Lehren für die Erkenntnistheorie 

Seit 1911 kennt die Physik dieses Quanten-Phänomen, an dem Einstein, Heisenberg und fast alle herausragenden Physiker damals scheiterten. Erst 1957 legten Bardeen, Cooper und Schrieffer eine Theorie (BCS) vor, welche die Beobachtungen überzeugend beschrieb (die BCS-Theorie wurde im gleichen Jahr mittels magnetischer Resonanz bewiesen). Just als man 1986 dieses Phänomen als reinen Tieftemperatur-Effekt ad acta legen wollte, entdeckten Bednorz und Müller die Hochtemperatur-Supraleiter. Diese verzehnfachten innerhalb weniger Jahre die so wichtige Sprungtemperatur, unterhalb derer das Phänomen beobachtet wird. Seither sind wir dem Traum der Supraleitung bei Zimmertemperatur nahegekommen, auch mit anderen Systemen, aber wieder gibt es nach fast 40 Jahren immer noch keine zufriedenstellende Theorie, trotz ungleich höherer Investitionen an Mensch und Technik.

Wir geben Einblicke in die Supraleitung, ihre epistemische Wandlung und den zähen Fortschritt. Zudem zeigen wir neue Resultate aus der magnetischen Resonanz, mit der wir seit 30 Jahren diese Materialien erforschen, und erklären, warum diese einen Paradigmenwechsel anmahnen, der schwer zu beschleunigen ist. Da sie jeder irgendwie kennt, nehmen wir die Magnetresonanztomografie (MRT) als lebendiges Beispiel für die Symbiose von Supraleitung und magnetischer Resonanz. Daran können wir vieles erläutern - Effekte ebenso wie Notwendigkeiten. Die MRT würde nicht zuletzt von dem erhofften Fortschritt revolutioniert werden. 

Sitzungssaal der Akademie mit großem Erkerfenster und Kronleuchter. Im Vordergrund sieht man Zuhörerinnen und Zuhörer, am Pult vorn spricht ein Redner. Unten im Bild steht vor grünem Hintergrund "Termin für Akademiemitglieder".