Bitte beachten Sie, dass die Plenarsitzungen bis auf die Öffentliche Frühjahrssitzung und die Öffentliche Herbstsitzung nicht öffentlich sind.

Vortrag aus der Philologisch-historischen Klasse: OM Bruno Klein

Professor i.R. für christliche Kunst der Spätantike und des Mittelalters an der TU Dresden; am 11. Februar 2011 zum Ordentlichen Mitglied der Philologisch-historische Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsgebiete: Kunst des Mittelalters, Geschichte der Architektur vom Mittelalter bis zu Gegenwart, Geschichte der Kunstgeschichte

Variationen von Bauinschriften im Mittelalter

Mittelalterliche Bauinschriften dokumentieren eine heute weitgehend vergessene Art materieller Kommunikation. Denn sie unterscheiden sich durch ihre inhaltliche und formale Originalität sowie ihren Variantenreichtum deutlich von entsprechenden Inschriften aus Antike und Neuzeit.

Besonders aufschlussreich ist diesbezüglich die Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert, als die Bauinschrift im Spanungsfeld zwischen der Tradition der „inschriftenfreudigen“ Baukultur der Antike und weitgehenden Illiteralität des Frühmittelalters neu entwickelt wurde.

Dies wird am Beispiel von drei prominenten Klosterkirchen der Zeit aufgezeigt: St. Stephanus und Vitus in Corvey (9. Jahrhundert), St. Michael in Hildesheim (11. Jahrhundert) und S. Zeno in Verona (12. Jahrhundert). Im ältesten Fall, Corvey soll die Inschrift die ideelle Position eines Klosters und dessen Baulichkeiten als Ankerpunkt innerhalb der als ungeordnet empfundenen Welt ausdrücken. Die späteren Inschriften in Hildesheim gehen hingegen nicht auf die Außenwelt ein, sondern dokumentieren umgekehrt ein geradezu hermetisches Selbstverständnis des unterdessen etablierten Mönchtums. Die inhaltlich und formal differenzierten Veroneser Bauinschriften stehen dem diametral gegenüber und bringen die Notwendigkeit zur intensiven Kommunikation in einer sich entwickelnden Öffentlichkeit zu Ausdruck.

Der Vortrag schließt mit einem kurzen Blick auf die Variationsmöglichkeiten spätmittelelterlicher Bauinschriften, bevor es zu deren bis heute weitgehend anhaltenden, auf antike Modelle rekurrierenden Typisierung kam.

Vortrag aus der Technikwissenschaftlichen Klasse: OM Emese Domahidi

Professorin für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Computational Communication Science (CCS) an der Technischen Universität Ilmenau; am   14. Februar 2025 zum Ordentlichen Mitglied der Technikwissenschaftlichen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt

Forschungsschwerpunkte: Kommunikationswissenschaft, Digitalisierung, Datenanalyse und gesellschaftliche Folgen digitaler Medien

Von der Berichterstattung zu Large Language Models: Geschlechterstereotype in digitalen Medien

Geschlechterstereotype sind tief in unserer Kommunikation verankert – auch in digitalen und sozialen Medien. Geschlechterstereotype bezeichnen verallgemeinernde und vereinfachende Zuschreibungen über Eigenschaften, Rollen und Verhaltensweisen von Frauen und Männern und prägen maßgeblich, wie diese dargestellt und wahrgenommen werden. Zahlreiche Studien zeigen, dass Mediendaten solche Stereotype enthalten und häufig reproduzieren. Da sie zunehmend als Trainingsgrundlage für moderne KI-Systeme – insbesondere Large Language Models – dienen, werden diese Verzerrungen in algorithmischen Anwendungen fortgeschrieben und teilweise verstärkt.

Gleichzeitig werden Large Language Models nicht nur zur Information und Meinungsbildung genutzt, sondern auch in der Forschung eingesetzt, etwa zur automatisierten Klassifikation von Mediendaten. Dadurch können bestehende Verzerrungen sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in wissenschaftlichen Analysen wirksam werden. Dies hat potentiell weitreichende Folgen, insbesondere für die Sichtbarkeit und Bewertung von Frauen – einschließlich Politikerinnen – in öffentlichen Diskursen.

Der Vortrag beleuchtet das Problemfeld, präsentiert Forschungsergebnisse zu Mediendaten sowie neuere Erkenntnisse zu KI-Systemen und diskutiert gesellschaftliche und wissenschaftliche Implikationen.

Sitzungssaal der Akademie mit großem Erkerfenster und Kronleuchter. Im Vordergrund sieht man Zuhörerinnen und Zuhörer, am Pult vorn spricht ein Redner. Unten im Bild steht vor grünem Hintergrund "Termin für Akademiemitglieder".