Georg Spalatin (1484–1545) gehört zu den zentralen Gestalten der Reformationsgeschichte. Kaum jemand war so nah an den Ereignissen der Reformation wie er und ist doch wissenschaftlich so wenig greifbar. Als Vertrauter Friedrichs des Weisen, Übersetzer, Historiograph und Mittler zwischen Hof und Universität Wittenberg prägte Spalatin die frühe Reformation entscheidend mit und verschwand danach weitgehend aus dem Forschungsblickfeld.

Dabei umfasst sein nachgewiesener Briefwechsel rund 1600 Schreiben, die über Archive in Weimar, Dresden, Gotha, Jena und Zwickau verstreut sind. Eine systematische Erschließung seiner zweiten Lebensphase – als Altenburger Stadtpfarrer, Visitator, Bibliothekar und Seelsorger – steht aus.

Das Arbeitsgespräch im Herbst 2026 in Leipzig vereint Expert:innen aus Kirchengeschichte, Allgemeiner Geschichte und Altphilologie. Im Mittelpunkt stehen Spalatins Netzwerke, seine Wirkungsfelder nach 1525 und die Frage, wie eine künftige Edition seiner Korrespondenz aussehen könnte. Die Tagung findet in Kooperation mit dem Akademieprojekt "Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen" an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig statt.

Programm

Donnerstag, 1. Oktober 2026

12:45 Uhr: Ankunft

13:00 Uhr: Armin Kohnle (Leipzig)
Begrüßung und Einführung in das Thema

Moderation: Andreas Zecherle (Leipzig)

1. HINTERGRÜNDE

Moderation: Andreas Zecherle (Leipzig)

13:15 Uhr: Christina Meckelnborg (Osnabrück)
Spalatins Leben bis zum Tod Friedrichs des Weisen im Mai 1525

14:00 Uhr: Johannes Schilling (Kiel)
Stand der Quellenerschließung und Bibliographie

14:45 Uhr: Kaffeepause

Moderation: Lucas Wölbing (Leipzig)

15:15 Uhr: Samuel Brandt (Leipzig)
Spalatin in Altenburg

2. GESPRÄCHSPARTNER

16:00 Uhr: Marion Bechtold-Mayer (Mainz)
Spalatin als Briefsteller

16:45 Uhr: Pause

Moderation: Alexander Bartmuß (Leipzig)

17:00 Uhr: Stefan Michel (Dresden)
Spalatin im Austausch mit Hans von Dolzig.
Zugleich ein Beitrag über Verwaltungseliten der sächsischen Kurfürsten

17:45 Uhr: Beate Kusche (Leipzig)
Georg Spalatins Korrespondenz mit weltlichen und geistlichen Obrigkeiten im Reich und in Europa

Freitag, 2. Oktober 2026

Moderation: Hannes Haas (Leipzig)

9:00 Uhr: Stefan Michels (Frankfurt am Main)
Spalatin und Luther nach 1525

3. WIRKUNGSFELDER

9:45 Uhr: Konstantin Enge (Leipzig)
Georg Spalatin als Visitator. Wissens- und Erfahrungstransfer bei der Einführung der Reformation im ernestinischen und albertinischen Sachsen

10:30 Uhr: Kaffeepause

Moderation: Stefan Michel (Dresden)

11:00 Uhr: Daniel Gehrt (Gotha)
Zeitgenössisches Geschehen in Georg Spalatins Geschichtsschreibung und Briefwechsel

11:45 Uhr: Ulrike Ludwig (Leipzig)
Georg Spalatin als Bibliothekar der Wittenberger bibliotheca electoralis

12:30 Uhr: Mittagspause

Moderation: Christiane Hesse (Leipzig)

14:00 Uhr: Ute Mennecke (Kranichfeld)
Spalatin als Seelsorger

14:45 Uhr: Armin Kohnle (Leipzig)
Spalatin auf dem Reichstag in Augsburg 1530

15:30 Uhr: Stefan Michel (Dresden)
Schlussdiskussion

Veranstalter und Kontakt

TU Dresden, Institut für Evangelische Theologie
Stefan Michel: stefan.michel@tu-dresden.de

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532:
friedrichundjohann@saw-leipzig.de

Förderung

Das Arbeitsgespräch wird von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

Logo der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung

Logo der TU Dresden
Logo des Freistaats Sachsen, grünes Wappen mit Schriftzug Sachsen
Öl-Bildnis von Georg Spalatin, schwarz gekleidet mit Kopfbedeckung, darunter ein holzfarbenes Beschriftungsfeld mit Spaltins Namen und dem Jahr 1537 in römischer Zahlschrift.
Bildnis von Georg Spalatin, gemalt von Lucas Cranach d.Ä., 1537; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe