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Rückblick: Forum "Offenes Land - offene Fragen"

Deutschland im Streit über Migration, Multikultur – und sich selbst
Wann 08.02.2017
von 18:00 bis 20:00
Wo Karl-Tauchnitz-Str. 1, 04107 Leipzig
Termin übernehmen iCal
Flüchtlinge beim Grenzübergang Wegscheid Oberösterreich/Deutschland. Foto: Metropolico.org (CC BY 4.0)

Kaum andere Themen hielten Politik, Öffentlichkeit und Medien in den vergangenen Jahren so sehr in Atem wie „Asyl“ „Flucht“ und „Migration“. In der Tat hat der schnelle, vor allem aber unerwartete Zustrom einer großen Zahl von Flüchtlingen 2014/15 manche/n Politiker/in und viele Verwaltungen, nicht zuletzt aber zahlreiche Bürger*innen, oftmals überfordert. Doch neben der Hilflosigkeit des politischen und des Verwaltungssystems sowie großer Teile der Gesellschaft stand das tausendfache Engagement vieler Menschen, die im „Flüchtlingschaos“ weiterhin die Individuen wahrnehmen konnten, zu spontaner Hilfe bereit waren und nicht jede/n „Fremde/n“ als potentielle/n Feind/in wahrnahmen. Für sie stand das Recht auf Asyl als Schutzgewährung vor Krieg und Verfolgung nicht infrage – doch ob daraus Einwanderung, ob aus dem atemlosen Ankommen und dem Versuch der Anpassung gelungene Integration  werden kann,  wird sich erst noch erweisen müssen.

Medial und real sind „die Flüchtlinge“ auf unseren Straßen und in unseren Wohnorten inzwischen unübersehbar, ebenso wenig aber auch eine große Zahl strikter Asylgegner*innen, chronisch Unzufriedener oder gar explizit Rechtsradikaler. Unsicherheiten im eigenen Leben, Unwissen über fremde Kulturen (wie manchmal auch über die eigene) sowie offener Hass gegen „Ausländer“, „die Politik“ und „die Lügenpresse“ vermischen sich zu einer aggressiven Haltung, mit der man mal verbalradikal, mal handfest gegen „die Fremden“ und „die Eliten“ Stellung bezog. Der innere Frieden in vielen Städten, Gemeinden, Vereinen und Institutionen ging dabei zu Bruch, ebenso wie manche Freundschaft. Die Akzeptanz von Gewalt nahm zu, es bildeten sich Lager des „pro“ und „contra“ und vielfach ging die Orientierung am Gemeinsinn-Interesse in einer demokratischen Gesellschaft verloren.

Ein Großteil der artikulierten Abwehr und Aggression aber hat „die Fremden“ und deren Zuzug nur als Anlass oder Projektionsfläche benutzt, um für eigene Interessen, persönliche Unzufriedenheit, nationale Attitüden und kulturelle Abwehrhaltungen ein Objekt zu finden. Die offene Feindschaft und tiefe Verachtung, die Politiker*innen und Journalist*innen, Verantwortungsträger*innen und Ehrenamtler*innen momentan entgegenschlägt, verweist auf manifeste Probleme unserer eigenen Gesellschaft. Deren Ursache, noch weniger aber deren Lösung, bedarf nicht der Anwesenheit auch nur eines einzigen Flüchtlings. Man muss die aktuelle Vertrauens- und Orientierungskrise unseres Gemeinwesens als „hausgemacht“ begreifen und wir müssen uns selbst dafür in die Verantwortung nehmen, nicht „die Anderen“.

Termine
Laurence A. Rickels: Der Vampir als Metapher. Ein "blutiges" Portrait der Nachkriegswelt Deutschlands. 24.03.2017 18:30 - 20:00 — Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Karl-Heinz Bohrer: Jetzt - Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie 24.03.2017 20:30 - 21:30 — Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Michael Lüders: Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Unheil stürzte. 25.03.2017 20:00 - 21:00 — Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Öffentliche Frühjahrssitzung 2017 07.04.2017 16:00 - 20:00 — Festsaal Altes Rathaus, Markt 1, 04109 Leipzig