
- Russische Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg und Kunstkammer
Das seit Mai 2007 bestehende Vorhaben hat
Dokumentation und Darstellung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den
deutschsprachigen Ländern und dem Russischen Reich auf den Gebieten Chemie,
Pharmazie und Medizin im „langen“ 19. Jahrhundert zum Ziel. Russland bot vielen
deutschen Medizinern und Naturwissenschaftlern Arbeits-, Forschungs- und
Karrieremöglichkeiten, die sie in der Heimat nicht finden konnten. Umgekehrt
besuchten russische Studenten, Akademiker und Wissenschaftler ausländische
Universitäten, brachten von dort Eindrücke und Anregungen mit und publizierten
wiederum u. a. auf Deutsch. Ein biobibliographisches Lexikon erfasst diejenigen
Chemiker, Pharmazeuten und Mediziner, die bei diesen Kontakten eine wichtige
Rolle spielten.
Der Wissenschaftsaustausch wird zunächst anhand
ausgewählter Disziplinen analysiert, bei denen sich in diesem Zeitraum ein
Paradigmenwechsel im Sinne der naturwissenschaftlichen Grundlegung vollzog. Das
Projekt sichert und erzeugt darüber hinaus jedoch auch ideen-, sozial- und
kulturgeschichtliches Wissen. Die Ergebnisse sollen abschließend zu einem
Gesamtbild mit Handbuchcharakter vereinigt werden. Historische Fundierung und
Dekonstruktion nationaler Legendenbildung können sogar zu einer Förderung der
aktuellen Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland beitragen.
Für die laufende Veröffentlichung der Projektarbeit
wurde die Schriftenreihe Relationes gegründet. 2008 ist der erste Band
mit einer Edition von Quellen zu dem in St. Petersburg tätigen deutschen
Chemiker und Pharmazeuten Carl Julius Fritzsche (1808–1871) und einer
diskursanalytischen Untersuchung der populärphilosophischen Schriften des
russischen Medizin-Nobelpreisträgers Il’ja Il’ič Mečnikov (1845–1916)
erschienen. Im Jahr 2009 entstanden die beiden Monographien Baltische
Genesis. Die Grundlegung der Embryologie im 19. Jahrhundert und Lebensvorgänge.
Deutsch-russische Wechselbeziehungen in der Physiologie des 19. Jahrhunderts.
Für 2010 sind drei weitere Bände in Vorbereitung: zunächst zu den deutschen und
russischen Leibärzten im Zarenreich, danach zum teleologischen Denken Karl
Ernst von Baers (1792–1876) sowie schließlich zur bilateralen
Forschungsentwicklung in der Physiologischen Chemie. Die Beiträge der
internationalen Tagung, die im Herbst 2010 in Leipzig stattfindet, sollen 2011
publiziert werden.
Publikationen:

- Relationes 1
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- Relationes 2
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- Relationes 3
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Internationale Tagung „Naturwissenschaft als Kommunikationsraum zwischen Deutschland und Russland“, Leipzig, 30. September bis 1. Oktober 2010
Programmflyer